10.Tag: von Stolzenau nach Münster

 

© Oliver Klempert

Noch 240 Kilometer: Sevim Neh – hier im CityEl – freut sich auf Aachen.

 

Und schon sind wir wieder in Nordrhein-Westfalen. Eben noch waren wir in Niedersachsen, jetzt geht es bereits an der Porta Westfalica vorbei und manchen beschleichen erste Heimatgefühle – Aachen ist nur noch knapp 400 Kilometer entfernt. Wie bereits die Vortage wird auch dieser Tag wieder ganz im Zeichen des zügigen Vorankommens stehen – auch wenn die Hitze am Nachmittag erneut Rekordwerte erreicht und wieder einmal Warten und Batteriekühlung angesagt sind. Wir tanken bei Privatleuten, allesamt entweder Twike– oder CityEl-Fahrer – kein Wunder, dass wir da auch gut bewirtet werden. Mancher Aufenthalt dauert länger als geplant, schließlich sollen wir von unserer Reise erzählen – und genug erlebt haben wir ja bereits. 

Henning Braun etwa ist einer dieser Privatleute. Er arbeitet in Bielefeld bei den Stadtwerken, spendiert Strom und Getränke. Der 31-jährige Ingenieur für Elektrotechnik kümmert sich nebenher um eine der wichtigsten Internetseiten für Elektromobilfahrer: Unter www.park-charge.de findet man rund 60 Elektrotankstellen. Sie sind bundesweit verteilt und machen zumindest hinsichtlich der Stromversorgung ein problemloses Vorwärtskommen möglich. 

 
 

©  Oliver Klempert

Park and charge: Ladestopp an einer Elektrotankstelle in Münster 

Am späten Nachmittag, bei Warendorf, treffen wie Christopher Klump wieder. Er war – wie berichtet – mit seiner Freundin vor zwei Tagen abgefahren. Nun hat er für seine Reise in die Toskana alles geklärt und wollte zumindest noch einmal kurz zu uns stoßen. So ist die Deutschlandtour bis zum Schluss für Überraschungen gut. Christopher Klump ist, wie er nun erzählt, mit dem Twike in einem Rutsch nach Hause gefahren: 455 Kilometer in 26 Stunden – inklusive Wucher-Erfahrung beim Stromtanken. Fünf Euro wollte eine ältere Dame haben – für nur eine Kilowattstunde. Ein Tankstellenpächter habe ihn gar von seinem Grund gejagt. Wir können Ähnliches beisteuern: So ließ sich der Betreiber des Campingplatzes von letzter Nacht satte 50 Cent pro Kilowattstunde geben – bei einem Preis von 15 Cent, den er selber zahlt. 

Am Nachmittag fahre ich wieder CityEl – diesmal mit dem von Harald Neh – 40 Kilometer davon am Steuer. Mehr als gestern fiel mir auf: Jeder Passant schaut uns hinterher – und mehr als einer davon lachend. Die nächste Überraschung wartet beim Erreichen unseres Tagesziels in Münster am späten Abend: Auch Manfred Elwing lässt sich noch einmal blicken – die privaten Gründe, wegen denen er uns vorgestern nach knapp 1.000 gemeinsam gefahrenen Kilometern verließ, müssen für einen Augenblick zurückstecken. Uns so sitzen wir abends beinahe alle doch noch einmal zusammen, bevor nun morgen die letzte Etappe in Angriff genommen wird: die letzten 240 Kilometer, die uns alles abfordert.

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Oliver Klempert
© PHOTON, 12. August 2003
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