9.Tag: von Mariental nach Stolzenau

 

© Oliver Klempert

Stopp in Wolfsburg: auch Elektromobilfahrer können sich für Benziner – hier ein Replikat des Mercedes Silberpfeil – begeistern.

 

Auch Elektromobilfahrer können sich für Benziner begeistern. Das zeigt sich beim Besuch der Autostadt von Volkswagen in Wolfsburg. Nur wenige Kilometer von Mariental entfernt und daher schnell erreicht, gehören wir an diesem Morgen zu den ersten Besuchern des 250.000 Quadratmeter großen Erlebnisparks rund ums Auto. 

Zwar besitzt das Elektromobil in der Autostadt keinen besonderen Stellenwert – wie übrigens überhaupt in der gesamten Geschichte des Autos nicht – aber: Bereits in den 30er Jahren gab es elektrisch betriebene Transporter – dies zeigt das Ausstellungsstück, das eigentlich die verbliebenen acht Deutschlandtour-Teilnehmer besonders anziehen sollte. Doch ein Replikat eines Mercedes Silberpfeils ist ja auch ganz nett.

Nach diesem Besuch – Volkswagen hat uns währenddessen an die Steckdosen gelassen – setze ich mich in den CityEl von Feri Neh und übernehme den kommenden Abschnitt. Nicht, dass sie nicht mehr könnte oder wollte: Nur soll ich endlich am eigenen Leib »erfahren», wie sich ein Elektromobil auf langer Strecke macht. Zunächst: Es sitzt sich bequem – nach meiner Ansicht bequemer als im Twike. Zwar ist das zahlreich verarbeitete Plastik für den einen oder anderen Quietscher gut, wenn es zum Beispiel durch Schlaglöcher geht. Ansonsten aber fühle ich mich rundum geborgen.

 
 

©  Oliver Klempert

Endlose Allen: Mit dem CityEl quer durch die Lüneburger Heide. 

70 Kilometer stehen auf dem Plan – zwar ohne Berge und Hügel, aber eben doch eine recht lange Strecke. Um die Akkus zu schonen und möglichst viel aus ihnen herauszuholen, sind behutsames Beschleunigen und Rekuperation angesagt. Und in der Tat ist es relativ leicht, mit einem Elektromobil »behutsam« umzugehen – abwürgen kann man es nämlich nicht. Auch muss deutlich gesagt werden: Elektromobile sind wahrlich leise. Sehr leise. Ich wurde schon gewarnt: Der Schreck sei immens, wenn man nach ein paar Tagen Elektromobil wieder im Benziner unterwegs ist. 

Dafür ist die Perspektive noch einmal eine andere als im Twike: zum Beispiel auf die Lkw, die stur – und wie ich finde – mit viel zu kurzem Abstand hinter mir herrasen, um dann zu überholen. Ja, einige Male fühle ich mich von ihnen irgendwie getrieben.

Unterwegs gabelt uns Twikefahrer Dieter Bleckmann auf, der im Raum Hannover die Fahrzeuge vertreibt – er leitet uns quer durch den südlichen Teil der Lüneburger Heide zu seinem Haus, wo wir aufladen können. Unser heutiges Etappenziel ist ein Ponyhof in Liebenau. Gegen 20 Uhr fahren wir durch besagten Ort – nur einen Ponyhof gibt es dort nicht. Bei Anruf stellt sich heraus: Das anvisierte Liebenau mit Ponyhof liegt bei Kassel, ein paar Hundert Kilometer entfernt – ein einziger Zahlendreher in der Telefonnummer während der Planung, und wir sind ganz woanders. Hier gibt es hingegen nur einen Campingplatz. Und dort fahren wir dann hin. Auch ohne GPS kann man sich also prima verfahren.

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Oliver Klempert
© PHOTON, 11. August 2003
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