7.Tag: von Lichtenberg nach Leipzig

 

© Oliver Klempert

Rast in Lichtenberg auf einem Campingplatz, zirka 20 Kilometer vor dem Etappenziel Saalburg.

 

Manfred Elwing kommt nach – das Getriebe wird heute repariert. Dies ist die erfreuliche Nachricht, die uns gestern Abend doch noch erreicht hat. Wir sind in Lichtenberg auf einem Campingplatz, zirka 20 Kilometer vor unserem eigentlichen Etappenziel Saalburg, und haben eine höllische Nacht hinter uns. Kaum einer hat wirklich ein Auge zugetan – eine Gruppe Jugendlicher neben uns hat durchgezecht. Kein Wunder, dass wir nun – wenn schon total übermüdet – schnell weiterkommen wollen, um die Lebensgeister zu wecken. Wir starten früher als geplant, um die verlorene Zeit aufzuholen – schließlich ist Mittwochabend anvisiert, in Aachen zu sein.

Wo wir Manfred treffen werden ist noch nicht klar. Für uns geht es heute über Gera bis nach Leipzig. Einen ersten Zwischenstopp müssen wir an einer Tankstelle zum Laden machen. Hier zeigt sich, was es heißt, in der Gruppe mit mehreren Elektromobilen um Strom zu bitten: Es ist ein Geduldsspiel. Schließlich werden die Tankstellen der großen Konzerne in Deutschland über Pachtverträge betrieben – und wenn an der Kasse jemand sitzt, der nichts entscheiden darf, hat man schnell das Nachsehen. Auch haben die Angestellten oft keine Ahnung davon, was Strom überhaupt kostet: Deutschland ist eben voll auf Benzin getrimmt – und da werden für das Aufladen schnell schon mal 20 Euro verlangt. Dabei liegen die tatsächlichen Stromkosten bei der Volladung für die fünf Fahrzeuge, die jetzt noch unterwegs sind, gerade mal drei Euro aus – wohlgemerkt für alle zusammen. Um es anschaulich zu sagen: Ein CityEl fährt 100 Kilometer für 70 Cent, wenn man den Strom aus der Steckdose nutzt.

 
 

©  Oliver Klempert

Bei der Energieversorgung Gera wird Sonnenstrom getankt: Der Stromversorger hat eine 12-kW-Anlage auf seinem Vordach und darunter sechs Ladestationen für Elektrofahrzeuge installiert. 

Auf dem Weg Richtung Gera geht es durch eine Hügellandschaft. Für den CityEl von Harald Neh ist dies eine echte Herausforderung. Immer wieder bleibt er stehen, bis sich die überhitzte Motorsteuerung abgekühlt hat – denn ohne sie bewegt er sich kein Stück. Was wieder wie ein echtes Elektromobil-Problem klingt, ist aber ein Experiment: Neh hat die vom Werk gelieferte Motorsteuerung ausgebaut und durch eine andere ersetzt, mit der Rekuperation möglich ist, also das Laden der Akkus bei Talfahrt – was es serienmäßig für den CityEl nicht gibt. Nur: Die Motorsteuerung überhitzt nun, weil der dazugehörige Kühlkörper nicht ausreichend dimensioniert ist. Dass Harald Neh so eifrig herumbastelt, hat seinen Grund: Seit einem halben Jahr verkauft der 43-Jährige die Marke CityEl. Er will die Möglichkeiten des Kabinenrollers testen. 

In Gera laden wir bei der Energieversorgung Gera auf – und zwar mit echtem Sonnenstrom: Eine 12-kW-Anlage haben sich die Stromversorger vor nunmehr acht Jahren auf das Vordach gesetzt und genau darunter sechs Ladestationen für Elektrofahrzeuge – einst gedacht für Monteure und Installateure, die umweltfreundlich durch die Stadt zu den Kunden rauschen sollten. Doch der Versuch misslang: Die Partnerfirmen gingen pleite – und wenn nicht gerade Elektrofahrer auf Deutschlandtour vorbeikommen, werden die Ladeplätze unter den Photovoltaikmodulen allenfalls als schattige Parkplätze genutzt. Die Photovoltaikanlage erzeugt heute noch zwischen 8.000 und 9.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, der ins Netz eingespeist wird.

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Oliver Klempert
© PHOTON, 9. August 2003
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