2.Tag: von Koblenz nach Miltenberg

 

© Oliver Klempert

Kurze Pause am Ufer des Rheins: Manfred Elwing mit seinem Twike.

 

Es ist kurz nach sechs Uhr, als Stephan Nagel uns weckt. Morgentau liegt auf meinen Schlafsack – nach nur zweieinhalb Stunden Schlaf. Bis um halb vier in der früh sind Manfred Elwing und ich im Twike gefahren, um die Tagesetappe nach Koblenz doch noch zu schaffen. Grund: Unterwegs hatte das GPS erneut versagt. Das bescherte uns jedoch zum Ausgleich eine ruhig-romantische Nachtfahrt entlang des Rheins unter sternklarem Himmel. Und als wir nach einigen Irrungen dann den Campingplatz erreichten, lohnte es sich nicht mehr, das Zelt aufzubauen.

Nach wenig Schlaf steigen wir also wieder ins Twike. Dafür belohnt uns in aller Frühe die Strecke bis nach Rüdesheim. Sie führt direkt längs des Rheins, vorbei an Burgen und am Lorelei-Felsen. 245 Kilometer stehen heute auf dem Programm – für die verbliebenen sieben Fahrer. Enno Meier hat aufgeben, weil ihm die Strapazen zu groß werden, wie er sagt. Zudem haben neben dem gestern erlittenen Federbruch an der Hinterachse seines CityEl nun auch die Instrumente im Cockpit den Geist aufgegeben. Die Reichweite seines Akkus kann Enno nicht mehr ablesen. Für ihn ist die Deutschlandtour 2003 daher nach nur einem Tag zu Ende. 

 
 

©  Oliver Klempert

Wartezeit an einer Tankstelle in Rüsselsheim: Da die Akkus zu heiß geworden sind können sie nicht sofort geladen werden sondern müssen erst abkühlen – stundenlang.

Inwieweit angesichts der brütenden Hitze die Tour überhaupt noch fortgesetzt werden soll, wird im Lauf des Tages immer wieder diskutiert: Unglaubliche 45 Grad zeigt das Thermometer unter der Plastikfolie im Twike. Die Fahrt nach dem Zwischenstopp zum Aufladen in Rüdesheim weiter nach Wertheim vor Würzburg gerät zur Tortur. Zum einen zieht sich die verbliebene Gruppe – drei CityEl, zwei Twike, der Skoda und der Golf CityStromer – wieder auseinander. Zum zweiten wird die Hitze am Nachmittag so extrem, dass die Kühlung in den Twike versagt: Die Temperatur der Akkus steigt über 50 Grad und als sie leer gefahren sind, verweigern sie sich bis zur Abkühlung einer Aufladung. Drei Stunden muss Manfred Elwing insgesamt einkalkulieren. So stehen wir an einer Tankstelle in Rüsselsheim und warten und warten. 

Letztlich sind wir erst gegen 21 Uhr wieder startklar. Von der 245 Kilometer langen Tagesetappe haben Manfred Elwing und ich gerade 120 Kilometer geschafft. Twike-Fahrer Christopher Klump ist gar noch hinter uns. Allein die CityEl-Fahrer sind voraus und der CityStromer ist liegengeblieben. 

Sind Elektromobile für Langstreckenfahrten also nicht geeignet? Festzuhalten bleibt am zweiten Tag der Tour: zumindest nicht bei solcher Hitze. Festzuhalten ist aber auch: Elektromobile erfreuen sich einer Beliebtheit, die man so zunächst gar nicht vermuten mag – drei Stunden Aufenthalt auf einer Tankstelle belegen dies. Da fahren große und teure sommerliche Cabrios vor, modern und wirklich schön. Und wo bleiben die Fahrer stehen und diskutieren? Vor dem Twike von Manfred Elwing.

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Oliver Klempert
© PHOTON, 4. August 2003
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