»Nicht mein Job« - BEE-Präsident Johannes Lackmann tritt ab


23.11.2007: Neun Jahre lang stand Johannes Lackmann an der Spitze des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e. V. (BEE). Ende November erklärte er überraschend seinen Rücktritt zum Januar 2008. Dem Ingenieur Lackmann missfällt die Entwicklung der Branche: Immer mehr Firmen achteten nur noch aufs Geld, interessierten sich aber nicht mehr für die Energiewende, beklagt er im Interview.

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Hat den Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) nicht nur geprägt, sondern anfangs sogar mitfinanziert: Johannes Lackmann.

PHOTON Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes läuft auf vollen Touren, und Sie als Kapitän des Dachverbandes verlassen das Schiff. Das klingt so ungewöhnlich, dass sich die Frage aufdrängt: Gab es dafür einen konkreten Anlass?

Johannes Lackmann Nein, es gibt eine Entwicklung, das war keine spontane Entscheidung. Aber man kann sie nun mal nicht lange im Voraus ankündigen. Der Punkt ist: Wir sind nicht mehr in der Aufbauphase, wo man diese Position ehrenamtlich ausübt. Aber das, was von uns jetzt erwartet wird - sowohl von der Branche als auch von der Politik - ist reiner Lobbyismus. Und da sage ich: "Tut mir leid, das ist nicht mein Job!"

PHOTON Warum?

Lackmann Ich habe meinen Job eigentlich als Politikberatung verstanden, aus einer gesellschaftspolitischen Zielsetzung heraus. Wenn immer mehr Firmen dieses Ziel nicht mehr haben, dann sollen sie eben Lobbyisten nach Erfolg bezahlen. Der BEE ist ja ursprünglich aus der Motivation heraus gegründet worden, gesellschaftspolitische Aufgaben wahrzunehmen. Jedenfalls habe ich das immer so verstanden. Ich brauchte schließlich einen freien Rücken, um glaubwürdig gegenüber der Politik auftreten zu können und nicht einfach nur beliebige wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Und wenn ich jetzt sehe, dass BDH (Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e. V., Anm. d. Red.) und BSW (Bundesverband Solarwirtschaft e. V., Anm. d. Red.) gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium vereinbart haben, für Solarthermie mehr zu zahlen, wenn man Brennwertkessel einsetzt - das heißt, dass es letztlich für fossile Heizkessel Geld aus dem Marktanzreizprogramm für erneuerbare Energien gibt -, dann sträuben sich mir einfach die Nackenhaare.

PHOTON Wo haben Sie Ihre gesellschaftliche Aufgabe konkret gesehen?

Lackmann Ich habe es immer als Aufgabe gesehen, die Branche zu entwickeln - zunächst aus ökologischer Motivation, zunehmend aber auch als Teil von Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik. Die Schlagworte und gesellschaftspolitischen Aufgaben waren dabei: Versorgungssicherheit, mittelständische Orientierung und Redemokratisierung der Energiewirtschaft. Es war also auch der Kampf gegen den Kraken der Energiewirtschaft.

PHOTON Ist der Rücktritt damit eine Art Eingeständnis, dass dieses Ziel gescheitert ist?

Lackmann Das ist ambivalent. Einerseits kann man sagen, dass die quantitative Entwicklung unumkehrbar ist. Die Branche ist weitgehend ausverkauft. Man könnte sagen, die Aufgabe ist wegen Erfolgs beendet. Was aber die Strukturfrage angeht, entwickelt sich das leider nicht so positiv. An der Stelle laufen die Dinge meiner Meinung nach nicht richtig. Dafür würde es sich bestimmt lohnen, weiterhin ein Mandat wahrzunehmen, aber in dieser Sache ist die Branche nicht mehr einer Meinung. Ohne den Job verliere ich nichts, habe aber den Rücken frei.

PHOTON Bedeutet das, dass Sie sich in Zukunft an anderer Stelle engagieren möchten?

Lackmann Für mich ist das nicht das Ende von Politik, aber von Politik in dieser Form. Wie es konkret weitergehen wird, habe ich aber noch nicht festgelegt.

PHOTON Sie haben den BEE ursprünglich in Eigeninitiative aufgebaut und auch finanziell mitgetragen. Was ist das für ein Gefühl, jetzt zu gehen?

Lackmann Das sehe ich ganz leidenschaftslos. Nur aus Tradition setze ich ein Amt nicht fort. Dann mache ich lieber etwas anderes. Ob der BEE in der Form weitergeführt oder besser umstrukturiert wird, das sollen andere Leute entscheiden.

PHOTON Es gibt da ja diverse Gerüchte. Eines lautet, dass BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig gern neuer BEE-Präsident werden möchte.

Lackmann Das ist eben genau der Punkt. Wenn die Branche einen reinen Lobbyverband haben will, dann sollen sie sich den Super-Lobbyisten suchen. Dann wäre diese Personalwahl durchaus folgerichtig. Wenn man aber noch andere, zum Beispiel politische Ziele verfolgt, würde ich davon eher abraten.

Mit Johannes Lackmann sprach Christoph Podewils


Christoph Podewils
© PHOTON, 2007
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