Solaicx kündigt drastische Kostenreduktion bei Solarmodulen an

17.11.2003: Ein kalifornisches Start-Up-Unternehmen nimmt den Mund ziemlich voll: Solaicx plant die Produktion monokristalliner Wafer für Hochleistungssolarzellen mit Wirkungsgraden bis zu 21 Prozent, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung vom 17. November. Die Herstellungskosten sollen bei sensationell günstigen 50 US-Cent pro Watt liegen – also etwa einem Drittel des heutigen Preises. Doch noch hat Solaicx kein Kapital, kein Produkt und nur wenig Ausstattung – allerdings mit dem Photovoltaikveteranen Bill Yerkes einen wohlklingenden Namen aus der Vergangenheit eingekauft.

 

© Solaicx

Geheimniskrämer: Solarpionier Bill Yerkes mag kaum mehr enthüllen als das Ausgangsmaterial seiner Hochleistungswafer – Silizium. 

 

Der Photovoltaikpionier Bill Yerkes ist 69 Jahre alt. Mehr als die Hälfte dieser Zeit verbrachte er damit, sich für Solarenergie einzusetzen. Angefangen hat er in den 60er Jahren im Raumfahrtzentrum von Boeing und entwickelte als Direktor von Spectrolab in den frühen 70ern den ersten gepulsten Sonnensimulator. 1975 gründete er den Modulhersteller Solar Technology International, um später Arco Solar vorzustehen, bevor das Unternehmen 1990 an Siemens Solar (heute Shell Solar) verkauft wurde. Kurz: Bill Yerkes ist nicht einfach nur irgendwer. 

Doch als amorphes Silizium im vergangenen Jahrzehnt zum neuen Hoffnungsträger der Solarbranche wurde, hörte man immer weniger von Yerkes. Während viele Firmen sich durch die preiswerte Dünnschicht-Technik die Unabhängigkeit vom teuren kristallinen Silizium erhoffen, hält Yerkes das alles »für Zeitverschwendung». Seiner Meinung nach sollte sich die Industrie vielmehr auf die Erhöhung der Wirkungsgrade bei kristallinen Siliziumzellen konzentrieren; ganz so, wie es derzeit SunPower, Sanyo und BP Solar vormachen. Dann ginge die Rechnung auch bei teurerem Ausgangsmaterial auf – und steigende Siliziumpreise seien zu erwarten, wenn eine wiedererstarkende Halbleiterindustrie den Markt für hochreines Silizium zu verknappen droht. 

Genau aus diesem Grund taucht jetzt Yerkes wieder auf. Im August als technischer Direktor von Solaicx angestellt, glaubt er, das Start-Up aus dem kalifornischen Silicon Valley habe die Lösung für das Siliziumproblem gefunden. Hierzu will Solaicx Produktionsequipment zur Herstellung hochleistungsfähiger, langlebiger und kostengünstiger Wafer entwickeln. Die monokristallinen Siliziumscheiben sollen mit 200 Mikrometern zudem rund ein Drittel dünner als heutige Wafer sein. Yerkes hofft auf Stückzahlen, mit denen sich mehrere »Fußballfelder pro Woche« belegen ließen. Der Wirkungsgrad der daraus produzierten Solarzellen solle zwischen 18 und 21 Prozent bei Produktionskosten von 50 US-Cent pro Watt liegen. 

Aber solch große Versprechungen basieren vorerst allein auf den Forschungs- und Kostenanalyse-Modellen von Solaicx selbst. Details hat das Unternehmen bisher nur einigen handverlesenen potenziellen Kooperationspartnern enthüllt. Während Geschäftsführer Robert Ford immerhin für das erste Quartal 2004 ein Ziel von vier Millionen Dollar an Unternehmenskapital verbreitet (das ein Jahr später auf 20 Millionen Dollar gewachsen sein soll), verweigert er weitere Angaben über die laufende Finanzierung der Firma. Am Firmensitz in Los Gatos (Kalifornien) verfügt Solaicx lediglich über einen Testofen, der aber noch keinen einzigen Wafer produziert hat.

Yerkes zeigt sich dagegen offen hinsichtlich der Siliziumquelle. Demnach wird Solaicx Polysilizium in Granulatform kaufen, die ein anderes Start-Up, die Diamond Cubic Silicon in Carlsbad (Kalifornien), produzieren will. Die Siliziumkügelchen werden in einem Wirbelschichtreaktor bei vergleichsweise niedrigen 700 Grad Celsius hergestellt – ähnlich dem Prozess, den auch Wacker Chemie anwendet (PHOTON 9-2001). Im Unterschied zu Wacker will man bei Diamond statt Trichlorsilan jedoch Bromsilan als Kristallisationskerne nutzen. Das von John Schumacher erfundene Verfahren ermögliche die billige und reichliche Herstellung von Silizium für die Solarindustrie, »so rein wie frisch gefallener Schnee». Behauptet zumindest Yerkes.

Da Solaicx für Ofen und anderes Equipment Patente beantragt hat, zeigt sich der Mann hinsichtlich technischer Details recht verschlossen. Es bedarf allerdings nur wenig, um das meiste von dem herauszufinden, was die Firma im Sinn hat. Ein von Solaicx veröffentlichtes Foto zeigt den Prototyp eines APCVD-Ofens, bei dem Stoffe aus der Gasphase unter atmosphärischem Druck abgeschieden werden. Wie mit einem solchen Ofen allerdings Wafer in der von Yerkes angestrebten Qualität herzustellen sind, bleibt unklar. Die einzige Zahl, die Yerkes nennen will, ist die der mit Solaicx verbundenen Personen – zehn Angestellte und eine ähnliche Anzahl Berater – mit »engen Verbindungen« zur Halbleiterindustrie im Silicon Valley. 

Neben der Waferproduktion soll ein Tätigkeitsschwerpunkt des Unternehmens in der Lizenzvergabe an Kunden für die Ausrüstung liegen. Yerkes zufolge ist man im Gespräch mit SunPower, BP Solar, Shell und Sharp. Doch zunächst muss bei Solaicx das Design des Produktionsequipments abgeschlossen werden. Damit rechnet Yerkes im März, woran sich sechs Monate für die weitere Entwicklung anschließen. Es werde »ein paar Jahre« dauern, gibt er zu, bis der Einfluss von Solaicx spürbar werde. Bis dahin setzt Yerkes offenbar vorerst auf seinen guten Namen – in der Hoffnung, dass sich der Einsatz nicht als zu hoch erweist. 

 

William P. Hirshman
© PHOTON,  2003
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