Europressedienst legt Studie zum Photovoltaikmarkt in Deutschland vor 

15.10.2003: Der deutsche Photovoltaikmarkt wird als zukunftsfähig eingeschätzt, falls sich Solaranlagen mit Hilfe staatlicher Fördermaßnahmen auch in Zukunft rechnen. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie, die das Marktforschungsinstitut Europressedienst im August vorgelegt hat. Doch die in der Studie gemachten Aussagen sind nicht belastbar.

 

 

Interessantes Thema, unbrauchbares Ergebnis: Die Photovoltaik-Marktstudie des Europressedienstes.

 

Grundlage der Expertise ist eine im Frühjahr durchgeführte Befragung unter 1.800 Installateuren sowie 250 Herstellern und Großhändlern.
Der deutsche Photovoltaikmarkt wird als zukunftsfähig eingeschätzt, falls sich Solaranlagen mit Hilfe staatlicher Fördermaßnahmen auch in Zukunft rechnen – für diese Erkenntnis hätte es natürlich keiner Untersuchung bedurft. Andere, in der Expertise behandelte Fragen sind aber hochinteressant. Allen voran die Aussage, dass sich rund ein Drittel der jetzigen Akteure vom Markt zurückziehen will, wenn die EEG-Novelle nicht für einen Ausgleich des ausgelaufenen 100.000-Dächer-Programms sorgt. Weitere Themen der 44 Seiten umfassenden Studie sind die Branchenstruktur, die Beziehungen zwischen Installateuren und Lieferanten sowie die Beurteilung bekannter Photovoltaikunternehmen durch die Installateure. 
Die Ergebnisse werden detailliert, grafisch gut aufbereitet und inhaltlich strukturiert wiedergegeben. Die 50 Euro teure Studie könnte somit für alle Marktteilnehmer und -beobachter sehr interessant sein – ist es aber nicht. Ganz offensichtlich haben die Autoren bei der Versendung ihrer Fragebögen den falschen Adressverteiler erwischt und sich außerdem mit dem von ihnen analysierten Markt zuvor noch nie beschäftigt. Sonst hätten diese Ergebnisse wohl kaum veröffentlicht.

Einige Beispiele: In einem Ranking der acht größten Photovoltaikhersteller auf dem deutschen Markt tauchen die Firmen Solon und Solar-Fabrik nicht auf. Bei der Frage »Welche Hersteller von Photovoltaikanlagen kennen Sie?« finden die Autoren es immerhin »überraschend», dass Sharp die zweitmeisten Nennungen hat, obwohl die Japaner überhaupt keine Anlagen, sondern in Deutschland nur Module anbieten. 

Auch der politische Rahmen des Solarstrommarktes wird reichlich verzerrt dargestellt: In der Erörterung möglicher Entwicklungen ist von einer »derzeit diskutierten Erhöhung der Einspeisungsvergütung auf ca. 80 Cent pro Kilowattstunde« die Rede. Manch ein Solar-Aktivist mag von diesem Wert zwar träumen, die aktuelle Diskussion findet aber selbst unter Optimisten rund 20 Cent weiter unten statt.

Mit derart kapitalen Fehlern behaftet, zeitigt die Studie mithin nur ein wirklich belastbares Ergebnis: Die Photovoltaikbranche weckt zunehmend Interesse, und über den aufstrebenden Markt wird eine Menge geschrieben – darunter auch viel dummes Zeug. 

Europressedienst (Hrsg.)
Der Markt für Photovoltaik in Deutschland
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Jochen Siemer
© PHOTON, 2003
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