
Widersprüche in Sachen RWE Schott Solar
RWE-Vorstand Gert Maichel äußerte sich abwertend über Photovoltaik, die er nicht zum
»Kerngeschäft« zählt. Ein Sprecher der Konzernzentrale stellt aber klar:
»Es gibt zurzeit keine Überlegungen für einen Ausstieg.«
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© photon- pictures.com |
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Bekenntnis zur Photovoltaik: Mit der Einweihung der Solarfabrik in Alzenau im August 2002 demonstrierte RWE
– hier Maichels Vorgänger im RWE-Vorstand Manfred Remmel – der Öffentlichkeit noch sein Interesse an Solartechnik. |
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Gert Maichel, Vorstand der RWE AG, setzt bei der Formulierung strategischer Unternehmensziele weder auf Solarenergie noch darauf, was der Rest des Konzerns für richtig hält. Bei der Vorstellung eines Joint Venture der RWE Fuel Cells GmbH mit der MTU Friedrichshafen GmbH in Ottobrunn gab er bei einem Pressegespräch recht unverhohlen seine Ansichten zur Photovoltaik im Allgemeinen und der RWE Schott Solar GmbH im Besonderen zum Besten: Erstere werde nie die Wirtschaftlichkeit erreichen, letztere sei
»nicht unser Kerngeschäft«, was ja schon dadurch deutlich geworden sei, dass man die Hälfte der ehemaligen RWE Solar an den Partner Schott Glas abgegeben habe. Das Gemeinschaftsunternehmen solle
»weitermachen, so lange es die Förderung gibt«, eine längerfristige Perspektive sieht Maichel offenbar nicht. Dies berichtete der Informationsdienst
»Solarthemen« am 23. Juli.
Solche Äußerungen vertragen sich schlecht mit der Tatsache, dass RWE Schott Solar seine Fertigungskapazitäten im bayrischen Alzenau erst im vergangenen August mit einem Aufwand von 150 Millionen Euro erweitert und modernisiert hat. In die energiepolitischen Vorstellungen des Managers passen sie hingegen sehr gut. Erst im Februar forderte Maichel, seit Januar 2001 Präsident des deutschen Atomforums, die Aufhebung des Neubauverbots für Kernkraftwerke. Die Vorstellung, der rund 30-prozentige Atomstromanteil könne durch erneuerbare Energien ersetzt werden, findet der Atomlobbyist
»unrealistisch».
Als Kehrtwende der gesamten Unternehmenspolitik kann man Maichels Querschüsse indes nicht interpretieren, auch wenn der 54-jährige studierte Agrarökonom und Jurist künftig wohl eine ebenso wichtige Rolle spielen wird wie bisher schon. In der Ende Juni vorgestellten und voraussichtlich ab Oktober wirksamen neuen Konzernstruktur der RWE AG gehört Maichel, seit Oktober 2000 Chef der RWE Power AG und Vorstandsmitglied des Gesamtkonzerns, zum vierköpfigen Führungsteam um Vorstandschef Harry Roels. Statt bisher 13 soll es künftig nur noch sieben
RWE-»Führungsgesellschaften« geben. In Maichels Zuständigkeit fällt dabei unter anderem ausgerechnet die Harpen AG,
»Kompetenzzentrum« des Konzerns für regenerative Energieerzeugung.
Die Beteiligung an der RWE Schott Solar hält aber die RWE Solutions AG. Die ist zwar eine der sechs wegrationalisierten Führungsgesellschaften und insofern konzernintern eine Hierarchiestufe nach unten gerutscht, kommt aber unter das Dach der RWE Energy AG, die hauptsächlich für Vertrieb von Strom und Gas zuständig und im Ressort von Roels angesiedelt sein soll. Das werde
»bis auf weiteres« auch so bleiben, sagt RWE Solutions-Pressesprecher Markus Haase.
Man könnte somit durchaus konstatieren, dass ein Manager sich hier in die Kompetenzen des anderen einmischt. Andererseits, meint wiederum die Pressesprecherin der RWE Power AG, Stephanie Schunck, ist
»Herr Maichel als Vorstandsmitglied des Gesamtkonzerns natürlich per se auch für dieses Thema zuständig». Ob sich die mit der Neuordnung ihres Milliardenunternehmens vollauf beschäftigten Führungskräfte demnächst einigen, wer sich wann zu wessen Ressort äußert, bleibt abzuwarten. Ein Sprecher der Konzernzentrale stellt auf Nachfrage zu Maichels Einschätzung der Solarsparte jedenfalls klar:
»Es gibt zurzeit keine Überlegungen für einen Ausstieg.«
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