ATS baut Produktion für Kugelsolarzellen

Die kanadische Firma ATS Automation Tooling Systems Inc., Hersteller von Automatisierungstechnik und Muttergesellschaft des französischen Zell- und Modulherstellers Photowatt, will bis Herbst 2003 mit der Produktion von Kugelsolarzellen (Spheral Solar Cells) und -modulen beginnen. Das von der Tochter Matrix Solar Technologies Inc. betriebene Werk soll eine Kapazität von 20 Megawatt (MW) haben und in der Nähe des Firmensitzes im kanadischen Ontario stehen.

© ATS Automation Tooling Systems Inc.

Anwendungsbeispiel: Die von ATS geplanten Solarmodule werden sich durch eine besonders hohe Flexibilität auszeichnen und damit neue Märkte für die Photovoltaik erschließen.

Die für die Kommerzialisierung in den nächsten drei Jahre anfallenden Kosten werden auf 80 bis 85 Millionen kanadische Dollar geschätzt (51,2 bis 54,4 Millionen Euro), wobei die meisten Produktionsmaschinen von ATS kommen werden. Am selben Tag kündigte die kanadische Regierung eine finanzielle Unterstützung für die Entwicklung der 20-MW-Produktionslinie sowie für Forschungsarbeiten in Höhe von 29,5 Millionen kanadische Dollar (18,9 Millionen Euro) an. Nach Angaben von Milfred Hammerbacher, dem Präsidenten der Matrix-Tochtergesellschaft Spheral Solar Power Inc., hat ATS bereits Anfang Juli mit den Arbeiten an einer Pilotanlage begonnen.

Kugelsolarzellen bestehen aus vielen kleinen Siliziumkügelchen, die über eine den elektrischen Strom leitende Aluminiumfolie verbunden sind. In den frühen 90er Jahren gehörte diese Technologie Texas Instruments, bis sie 1997 an ATS verkauft wurde. Hammerbacher beschreibt die fertigen Solarmodule als »elastisch und unzerbrechlich«. Der angestrebte Wirkungsgrad liege bei elf Prozent. Wenn die Produktion der 15 mal 60 Zentimeter großen Module begonnen hat, werde es nach seiner Prognose ein Jahr bis zum Erreichen der vollen Kapazität dauern. Weitere Details wollte er nicht nennen. Vor zwei Jahren sagte Hammerbacher, er veranschlage die Modulkosten auf 1,50 US-Dollar pro Watt, später sogar auf 60 US-Cent pro Watt. Diese Zahlen seien bis heute gültig. »Vielleicht liegen sie sogar noch tiefer«, fügt Ron Jutras hinzu, Finanzvorstand bei ATS.

Der Grund für die kostengünstige Produktion liegt in der Art des verwendeten Ausgangsmaterials. Während bei der jetzige Pilotanlage noch - wie derzeit für alle kommerziell produzierten Silizium-Solarzellen auch - hochreines Silizium verwendet wird, möchte ATS in der späteren Produktion hauptsächlich das preiswerte, weil weniger reine metallurgische Silizium einsetzen. Zudem wird weniger Material pro Solarzelle benötigt. Hammerbacher peilt als Ziel neun Tonnen Silizium pro Megawatt an; für herkömmliche Solarzellen werden derzeit etwa 17 Tonnen benötigt. Das ehrgeizige Ziel von ATS, die neun Tonnen später auf nur zwei Tonnen zu reduzieren, werde »etwas mehr Zeit und Geld brauchen«, dämpft Hammerbacher zu hohe Erwartungen, die ATS-Vorstand Klaus Woerner weckte. Auf der Pressekonferenz am 17. Juli läutete Woerner gleich »eine neue Ära für die Solarenergie« ein.

Weitere Informationen zur Technik: www.spheralsolar.com


 

Anne Kreutzmann
© PHOTON, 18. Juli 2002
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