
Unglaubliche
Weltneuheit oder unglaublicher Schwindel?
An diesem Wochenende und der
kommenden Woche finden in zahlreichen deutschen Städten Veranstaltungen
der Firma MSC statt, einem Vertriebspartner der Oressana AG, auf denen
solarstromerzeugende Kunststoffe vorgestellt werden sollen. Mit diesen
sollen sich die Kosten für Photovoltaikanlagen um 70 bis 90 Prozent
reduzieren lassen. Geködert werden die Teilnehmer - angeschrieben wurden
Handwerksbetriebe aus den Bereichen Solartechnik und Elektroinstallation
sowie Dachdeckerbetriebe - mit einem «riesigen Kunden- und grenzenlosen
Umsatzpotenzial«. Doch wer darauf eingeht, wird zuerst einmal selbst zur
Kasse gebeten.
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© Solar
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Von
innovativer Solartechnik keine Spur: Auf dem
Emissionsprospekt der Oressana AG sind konventionelle
Konzentrator-Solarkraftwerke abgebildet. |
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»Jetzt wird das Unglaubliche mit einer Weltneuheit möglich« heißt es
reißerisch in einem Fax an einen Solarinstallateur, abgeschickt von
Harald Kern aus Breisach. Kern ist »unabhängiger Vertriebspartner der
Firma MSC«. Und MSC wiederum ist ein Vertriebspartner der Oressana AG,
die seit einigen Wochen Geldgeber für ihre »pulverförmigen
Aktivstoffe« sucht, die, mischt man sie Farben und Lacken bei, die
neuartigen Oressana-Solarstromanlagen ergeben sollen.
In ihrem Emissionsprospekt verspricht die 2001 in Berlin als »Golden
Rainbow sechste Vermögensverwaltungs AG« gegründete und im bayerischen
Traunstein registrierte Oressana AG ein Ende der herkömmlichen
»sperrigen PV-Module«. Unschlagbar wäre auch der Preis der
Oressana-Solaranlagen, die mit 1.000 Euro pro Kilowatt nur ein Zehntel
dessen kosten würden, was »Mitbewerber« derzeit verlangen.
MSC-Vertriebspartner Harald Kern spricht in seiner Einladung immerhin
noch von 5.500 Euro für eine 2-kW-Anlage. Entsprechend geringer wäre
dann natürlich auch die Amortisationszeit für Anlagenbetreiber,
entsprechend hoch die Gewinne für Kerns Geschäftspartner, die er auf
den Informationsveranstaltungen werben will: »So wird für viele der
Traum von den eigenen vier Wänden Wirklichkeit«. Vorab aber wird zu
Kasse gebeten: 99 Euro sind für ein »Starter-Kit« fällig, die
angekündigten Schulungen dürften ebenfalls kostenpflichtig sein.
Wer sein Geld direkt bei Oressana anlegen möchte, kann sich am
»Deutschlandgeschäft« des Unternehmens als typisch stiller
Gesellschafter beteiligen. Die geplanten Einnahmen der bisher nicht
operativ tätigen Oressana AG hängen vom Erfolg der Berliner
Beteiligung Oressana Vertriebs GmbH ab, mit der man eine
Umsatzbeteiligung von 20 Prozent vereinbart hat. Doch zuerst einmal
fallen im Jahr 2002 laut Plan fünf Millionen Euro Verlust an, bevor im
Jahr 2003 bei geschätzten Beteiligungserträgen von 0,92 Millionen Euro
ein Vorsteuergewinn von rund 0,25 Millionen Euro möglich wäre, der bis
2011 - bei geplanten 472 Vertriebsmitarbeitern - auf über 4,87
Millionen Euro anwachsen soll, bei einem »optimistisch-spekulativen«
Szenario sogar über 7,31 Millionen Euro.
Oressana-Alleinvorstand und Mikrobiologe Andrej Solomatin ist in der
Solarszene bislang nicht in Erscheinung getreten. Aber auch von
allgemeinen physikalischen Begriffen scheint er wenig Ahnung zu haben,
sonst hätte ihm wohl spätestens beim Korrekturlesen des
Emissionsprospektes auffallen müssen, dass die Verfasser
beispielsweise Kilowattstunden als Quotient (kW/h) abgekürzt haben und
mit der Formulierung eines »Wirkungsgrads von rund 54 Watt je Modul«
wohl keinen prozentuellen Wirkungsgrad, sondern eine Leistung angeben
wollten. Zudem geizt man mit Informationen über technischen Details:
Es wird weder die Firma genannt, die, solange es keine eigene
Produktion gibt, als Oressana-Lieferant dienen soll, noch gibt es
irgendein Patent, auf dem die Lizenzvergabe beruht. Eine
Mittelverwendungskontrolle ist »mangels rechtswirksamer
Separierungsmöglichkeit des stillen Anlagekapitals« nicht vorgesehen.
Zumindest ein Gewinner dieser Emission steht aber schon fest: Die
Global Technologies AG hat sich - als Muttergesellschaft der Oressana
AG - eine Lizenzzahlung (zur exklusiven Verwertung in Deutschland) in
Höhe von vier Millionen Euro gesichert. Diese Summe ist laut Prospekt
fällig, noch bevor die Tochter ihre Geschäftstätigkeit aufnimmt. Das
heißt, 80 Prozent der von den stillen Beteiligten aufzubringenden
Summe von fünf Millionen Euro ist allein als »anteiliger Kostenersatz
für Forschung und Entwicklung der Oressana Solar Technologie« zu
verwenden.
Auch über den von der Oressana-«Muttergesellschaft« Global
Technologies AG entwickelten »Aktivstoff«, der für die Umsetzung von
Licht in Strom verantwortlich ist, sind keine näheren Informationen
enthalten. Man soll ihn in fein gemahlener Form in Lacke oder Farben
mischen oder mit Kunststoff verarbeiten können, um Strom erzeugende
Wandfarbe, Dachlackierungen, -pappe und –ziegel herzustellen.
Bis das Solarpulver im Jahr 2003 verfügbar ist, sollen als
Übergangslösung ab August dieses Jahres »Solarfolien« verkauft werden.
Diese, so Oressana-Aufsichtsrat Jürgen Kasten auf Nachfrage, würden
»im Prinzip« auf den von N.V. Bekaert vertriebenen
Uni-Solar-Rohmodulen beruhen. Paul Lippens, bei Bekaert zuständig für
den Europavertrieb der Uni-Solar-Produkte, weiß jedoch nichts von
einer Anfrage und ist sicher, dass er »über größere Mengen« auf jeden
Fall informiert sein müsste. »Das läuft alles über meinen
Schreibtisch. Eine Bestellung von Oressana liegt nicht vor.« Eine
deutliche Kostenreduktion wäre zudem mit Uni-Solar-Modulen derzeit
auch nicht möglich und wird von Bekaert auch nicht versprochen: »Wer
zu unseren Produkten unseriöse Versprechungen abgibt, wird nicht mehr
von uns beliefert«, so Lippens.
Von einem Investment ist jedenfalls allein schon deshalb abzuraten,
weil (wegen »anstehender Neuwahlen«) nicht einmal die Namen der
Aufsichtsräte im Prospekt genannt werden und sogar verschiedene
Stellen im Prospekt im Widerspruch zueinander stehen: Einerseits
werden bei der Prognoserechnung für 2002 Erträge aus
Verlustzuweisungen in Höhe von fünf Millionen Euro angegeben,
andererseits werden die stillen Gesellschafter besonders darauf
hingewiesen, dass keine Verlustzuweisungen an sie geplant sind
beziehungsweise falls sie doch zur Verlustabdeckung gebraucht würden,
dies steuerlich nicht geltend gemacht werden könne. Ganz abgesehen
davon, dass die Funktionsweise des neuartigen Solar-Toners nicht
erklärt wird.
Wir werden weiter über die Vorgänge um
die Oressana AG und die Firma MSC berichten. Wenn Ihnen dubios
erscheinende Unterlagen von den genannten Firmen zugehen, so bitten wir
um eine Kopie unter Telefax 0241/4003-334.
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