
Die Sulfurcell GmbH will CIS-Solarzellen
produzierenSeit
mehr als zehn Jahren ist das Berliner Hahn-Meitner-Institut führend in
der Forschung an Dünnschicht-Solarzellen aus Kupfer-Indium-Disulfid.
Jetzt haben einige Mitarbeiter sich selbstständig gemacht und wollen so
schnell wie möglich mit der Serienfertigung beginnen.
Nikolaus Meyer ist
Wissenschaftler
am Berliner Hahn-Meitner-Institut (HMI) und außerdem frisch gebackener
Unternehmensgründer. Als solcher weiß er sich auf neutralen
Sachverstand zu berufen und zitiert gern aus »PV 2001«, der jüngsten
Photovoltaikmarkt-Studie des Schweizer Bankhauses Sarasin. Gegen
moderne Verfahren für Dünnschicht-Solarzellen, also
Kupfer-Indium-Diselenid (Cu(In,Ga)Se2), gemeinhin mit CIS abgekürzt,
und Cadmium-Tellurid (CdTe), werden dort »aus Umweltsicht« erhebliche
Bedenken geltend gemacht, weil hier giftiges Selen oder Cadmium zum
Einsatz kommen. Weiter heißt es, eine Lösung »scheinen die CIS-Zellen
,zweiter Generation' zu bieten, z.B. CuInS2-Solarzellen«.
»Damit sind wir gemeint«, stellt Meyer befriedigt fest. Zusammen mit
seiner Kollegin Ilka Verena Luck führt er die Geschäfte der Sulfurcell
Solartechnik GmbH, die sich die Produktion von Zellen aus
Kupfer-Indium-Disulfid (CuInS2) zum Ziel gesetzt hat. Wenn erst einmal
das nötige Kapital akquiriert ist, sagt Ilka Verena Luck, »können wir
morgen die Maschinen bestellen«.
Rund 15 Millionen Euro benötigt Sulfurcell, um eine »Protoproduktion«
aufzubauen. Das soll, so Meyer, »im Grunde eine kleine Solarfabrik«
mit etwa zwei Megawatt Kapazität werden, an der zwei bis drei Jahre
lang der CuInS2-Prozess optimiert wird. Danach wären für die
industrielle Fertigung nur noch vergleichsweise kleine Investitionen
nötig.
Die Berliner halten das »Hochskalieren«, also den Schritt vom nicht
einmal zehn mal zehn Zentimeter großen Minimodul zum einsatzbereiten
Solargenerator, für wesentlich einfacher als bei anderen
Dünnschicht-Verfahren. Die Vertreter der Konkurrenz sind da
erwartungsgemäß weniger optimistisch: »Das ist ein Mordssprung, und es
gibt sehr, sehr viele technologische Überraschungen«, meint
Hans-Werner Schock vom Institut für Physikalische Elektronik (IPE) der
Universität Stuttgart. Das IPE war zusammen mit dem Stuttgarter
Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) an der
Vorbereitung der Serienfertigung von CIS-Modulen bei Würth Solar
beteiligt. Hier gab es einen Zwischenschritt: zunächst zehn mal zehn,
dann 30 mal 30 und erst danach 60 mal 120 Zentimeter große Module.
Schock hält zudem die Vorteile der Disulfid-Variante nicht für so
groß, dass sie den gegenüber CIS-Modulen geringeren Wirkungsgrad
wieder aufwögen. Luck und Meyer dagegen sind vom Gegenteil überzeugt.
Das HMI habe sich zudem »von Anfang an auf einfache,
industrierelevante Prozesse konzentriert«. Den Wirkungsgrad wollen sie
bei mehr als zehn Prozent stabilisieren. Der vom HMI gehaltene
»Weltrekord« liegt bei 13 Prozent. Sie rechnen mit einer auch
gegenüber Solarzellen auf Siliziumbasis deutlich besseren Ökobilanz
ihrer Produkte – und mit einem wesentlich günstigeren Preis.
Wenn die Unternehmensgründer allerdings nicht in absehbarer Zeit das
nötige Kapital zusammenbekommen, wird das Projekt auf unbestimmte Zeit
verschoben: »Entweder wir schaffen es in den nächsten drei Monaten«,
so Meyer, »oder wir schaffen es gar nicht.« Und dann, ergänzt Ilka
Verena Luck, könne man sich ja weitere zwei bis drei Jahre der
Forschung »in Richtung Hochskalierung« widmen.
Jochen Siemer
© PHOTON, 01. März 2002
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
|
|