Kapitalerhöhung abgebrochen: S.A.G. will weg von Großkraftwerken

Die S.A.G. plant eine grundlegende Umstrukturierung. Der Betrieb eigener Solarkraftwerke soll künftig nicht mehr den Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit bilden.

© S.A.G. Solarstrom AG

Das Anfang Mai in Betrieb genommene 390-kW-Solarkraftwerk auf dem Dach der Freyler Industriebau GmbH in Kenzig, Baden-Württemberg, ist eines der letzten, das die S.A.G. auf eigene Rechnung installierte.

Bisher war das Hauptgeschäftsfeld der Freiburger S.A.G. Solarstrom AG der Bau und Betrieb von großen Solarstromanlagen. Vorfinanziert wurden die Kraftwerke auf Dächern großer Unternehmen, wie beispielsweise der Baumarktkette Obi, durch die Aktionäre der börsennotierten AG. Sie refinanzierten sich durch den Verkauf des Solarstroms an den örtlichen Netzbetreiber. Damit ist jetzt Schluss: »Von der S.A.G. vorfinanzierte große Solarkraftwerke wird es nicht mehr geben«, erklärt Pressesprecher York Ditfurth. Die Obi zugesagten rund 20 Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von einem Megawatt wolle man jedoch noch fertigstellen.

Da keine weiteren Großkraftwerke vorfinanziert werden, sei auch die laufende Kapitalerhöhung nicht mehr in vollem Umfang notwendig, so Ditfurth. Ursprünglich wollte man bis Ende Oktober rund 150 Millionen Mark einnehmen und die Kapiteldecke von rund 18 Millionen Euro deutlich aufstocken. Die Kapitalerhöhung wird nun Ende Juli abgebrochen. Bis dahin erwarte man 45 Millionen Mark, also nur ein Drittel des geplanten Betrages. Für die Umstrukturierung und Neuorientierung der S.A.G. sei das ausreichend.

Mit dem Geld will man international expandieren, vor allem nach Spanien, USA und Marokko. In Deutschland soll das S.A.G.-Niederlassungsnetz durch weitere Übernahmen wachsen, um Flächen deckend Anlagen installieren zu können, die von den Kunden finanziert und betrieben werden.

Ein weiteres Geschäftsfeld bleibt die Verwaltung der bereits bestehenden Kraftwerke. Die Solarstromanlagen haben eine Gesamtleistung von 3,6 Megawatt und garantieren Einnahmen von rund 3,5 Millionen Mark im Jahr. Daneben will man sich auch außerhalb der Photovoltaik ein Standbein schaffen und sich an einem Biomasse-Kraftwerk beteiligen. Auch im Bereich Dienstleistungen will sich die S.A.G. verstärkt engagieren. Als erstes Projekt wurde im Mai die Kooperation mit der Schweizer Meteomedia GmbH bekannt, der Firma des Fernsehwetterfrosches Jörg Kachelmann. Mit dem neuen Konzept hofft man im laufenden Geschäftsjahr erstmals ein positives Ergebnis zu erwirtschaften.

Die S.A.G. Solarstrom AG nannte Mitte Juli die Umsatzzahlen und das Ergebnis für das mit April 2001 abgelaufene Geschäftsjahr: Der (konsolidierte) Umsatz stieg um knapp 300 Prozent auf rund fünf Millionen Mark, das Ergebnis nach Steuern war mit einem Minus von 3,02 Millionen Mark nicht ganz so negativ wie erwartet (3,05 Millionen Mark). Das Umsatzziel von 3,45 Millionen Mark wurde nicht zuletzt durch die Vergütung des EEG übertroffen. Die Zahlen werden auf einer Bilanzpressekonferenz im August vorgestellt.

Anne Kreutzmann,
Max Deml

© PHOTON, 20. Juli 2001
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