Hauptversammlung der Solon AG: Neuer Anlauf oder letztes Aufbäumen?

Trotz anderslautender Ankündigungen hat es das Berliner Unternehmen noch nicht geschafft, aus den roten Zahlen zu kommen. Klappt das auch nächstes Jahr nicht, will Vorstand Alexander Voigt seinen Hut nehmen.

© Norbert Michalke, Solon AG
Der Solarmodulhersteller Solon will die Kapazität verdreifachen, um in die Gewinnzone zu kommen. Die Produktion – hier ein Blick in die Modulfertigung – zieht noch in diesem Jahr innerhalb Berlins um. Die Geschäftsführung bleibt vorerst in Berlin-Kreuzberg.

Hotel Esplanade am Berliner Lützowufer, 11. Juli, 10 Uhr: Rund 120 Aktionäre – die rund ein Drittel des Grundkapitals repräsentierten – waren zur Hauptversammlung des Modulherstellers Solon AG gekommen. Das Management bemühte sich, die teilweise sehr kritischen Fragen zu beantworten, gestand Fehler ein und gelobte Besserung. Ein erster wesentlicher Schritt ist bereits gemacht: Seit Anfang Mai dieses Jahres ist bei der Solon AG neben dem bisherigen Alleinvorstand Alexander Voigt – seine Vorstandskollegin Birgit Flore war im März zurückgetreten – der gebürtige Österreicher Harald Rothschedl, 37, als Finanzvorstand tätig. Rothschedl war zuletzt als Sanierer bei Photo Porst beschäftigt und bereits Ende 2000 als möglicher Nachfolger Flores dem Aufsichtsrat vorgestellt worden. Außerdem wurde mit Diplom-Kaufmann Volkmer Hamborg auch ein neuer Controller eingestellt, der jahrelange Erfahrung als Leiter der Finanzen bei der Hochtief AG mitbringt. Er soll unter anderem das Berichtswesen verbessern. Nach mehreren Monaten Sendepause – die Präsentation des Businessplans bei der »Renewable Energy Conference« in Frankfurt Ende April war institutionellen Anlegern vorbehalten – meldete sich die Berliner Solon AG auf der Hauptversammlung im Juli 2001 nun auch wieder bei ihren Aktionären zurück: Sie stellte ihren Businessplan für 2002/2003 vor und kündigte noch für dieses Jahr im Zuge einer weiteren Kapitalerhöhung den Wechsel vom Freiverkehr an den Geregelten Markt an.

© Solon AG

Der Neue bei Solon: Harald Rothschedl

Der Österreicher Harald Rothschedl wurde 1963 in Graz geboren, wo er zur Schule ging und später auch Betriebswirtschaftslehre studierte (ohne Abschluss). Berufliche Erfahrungen sammelte Rothschedl als Buchhalter, Handelsarbeiter und Maschinengehilfe, bevor er 1991 die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens bei der A.S.A. Abfall Service AG in Graz übernahm. 1997 wechselte er zur Elektroheizgerätewerk Ing. Odo Heller GmbH, ebenfalls Graz, wo er gut ein Jahr die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens inne hatte. Anschließend ging er zur Photo Porst AG, Schwabach, wo er ebenfalls die Leitung des Finanz- und Rechnungswesen des 1998 schon finanziell schwer angeschlagenen Unternehmens übernahm. Photo Porst wurde, nachdem auf Grund der hohen Verluste das belgische Fotolabor Spector ausgestiegen war, im Februar dieses Jahres für eine Mark von der PixelNet AG, Wolfen, übernommen. Die Übernahme sorgte in der Fotobranche für Aufregung, da Photo Porst, ein Unternehmen mit über 2.000 Verkaufsstellen und gut 4.000 Beschäftigten, von einem Internetanbieter mit nur 30 Beschäftigen geschluckt wurde. Im Mai wechselte Rothschedl zur Solon AG, wo er als Vorstandsmitglied die Leitung der Finanzen inne hat.

Laut Solon-Vorstand sei es das Ziel, sich »profitabel, effizient und verschlankt zu formieren«. Die meisten Abstimmungen – inklusive Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie der Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien – erfolgten mit Mehrheiten zwischen 94 Prozent und fast 100 Prozent.

Ab 2002 schwarze Zahlen

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Kursverlauf Solon AG 1. Halbjahr 2001: Auch nach der Hauptversammlung erholte sich der Kurs der Solon-Aktie nicht sondern dümpelte weiter bei vier Euro.

Im Jahr 2001 soll die Gesamtleistung der Solon-Gruppe rund 35 Millionen Mark betragen. Den Umsatz will man bis 2003 auf rund 69 Millionen Mark verdoppeln. Statt eines operativen Verlustes von rund sieben Millionen Mark in 2001 (im PHOTON-Interview in der Mai-Ausgabe schätzte Voigt noch 4,1 Millionen Verlust für 2001 bei einem Umsatz von 52 Millionen Mark) will man 2003 einen Gewinn von rund sieben Millionen Mark erzielen. Nachdem in den letzten Jahren die versprochene Gewinnschwelle mehrfach verschoben worden ist, soll es nun endlich 2002 klappen: Bei dann 52 Millionen Mark Gesamtleistung plant man einen Gewinn von 1,6 Millionen Mark – falls nicht wieder außerordentliche Verluste dazwischenkommen. Im Jahr 2000 stiegen die Bankverbindlichkeiten im Konzern von 4,4 Millionen Mark auf 7,2 Millionen Mark. Zum operativen Minus kamen noch weitere fünf Millionen Mark Verlust hinzu. Gründe: Wertberichtigungen bei Lagerbeständen und Firmenwert, Verlustübernahmen und Maßnahmen zur Kapitalerhöhung beziehungsweise Umstrukturierung. Aufsichtsratsmitglied Gert Behrens machte zudem keinen Hehl daraus, Dritteleigentümer der Berliner Beratungsgesellschaft LBD zu sein, die die Solon AG in letzter Zeit zu Tagessätzen von fast 3.000 Mark beraten hatte.

Währungsverluste auf Grund von Verträgen in Dollarpreisen sollten zukünftig nicht mehr vorkommen, neue Verträge werden auf Euro-Basis erstellt. Der Verlustvortrag von 15,7 Millionen Mark per Ende 2000 wird bilanztechnisch durch Erträge aus der Kapitalherabsetzung und teilweisen Entnahmen aus den Kapitalrücklagen (9,1 Millionen per Ende 2000) auf 7,1 Millionen Mark reduziert.

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Konzernstruktur der Solon AG

Im Gegensatz zur zugekauften Schweizer Tochter ASP AG ist die noch sehr kleine marokkanische Tochter Solon Solar Industries immer noch in den roten Zahlen, hat aber ihre Kosten gesenkt. Die Großprojekte in Deutschland konnte die Solon AG im Vorjahr fast alle mit Gewinn abschließen, nur beim Auftrag der Hannoverschen Verkehrsbetriebe ergab sich letztlich ein Verlust von rund 0,35 Millionen Mark.

Sollte es wider Erwarten auch 2002 bei der Solon AG noch keinen Gewinn geben, will Mitgründer Alexander Voigt als Vorstand den Hut nehmen.

Max Deml
© PHOTON, 12. Juli 2001
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