
Atlantis in
Finanznöten
Die
Atlantis-Gruppe in Bern, zu der die Tochtergesellschaften Atlantis
Energie AG und Atlantis Solarsysteme AG gehören, kämpft mit
erheblichen Liquiditätsproblemen.
 |
|
|
©
Stefan Anderegg, Der »Bund« |
| Vorzeigeprojekt
mit Nebenwirkung: Bei der Einweihung der Solarfassade in
Bern-Wittigkofen wurde Atlantis-Chef Mario Posnansky
(links) mit dem Protest von Mitarbeitern konfrontiert, die
auf ihre ausstehenden Löhne aufmerksam machten. |
|
|
 |
|
Offen zu Tage traten
sie am 18. Januar bei der Einweihung der von Atlantis gebauten
80-Kilowatt-Solarfassade an einem Hochhaus im Berner Stadtquartier
Wittigkofen, als weiß gekleidete Firmenangehörige ein Transparent
entrollten mit der Aufschrift: »Die Fassade ist da! Wo sind unsere
Löhne?« Nach einem Bericht der Solothurner Zeitung standen die
Gehaltszahlungen seit Oktober aus. Atlantis beschäftigt am Firmensitz
in Bern und am Produktionsstandort Härkingen insgesamt rund 30
Angestellte.
Unternehmenschef und
Hauptaktionär Mario Posnansky räumte Anfang Februar ein, dass in
Bern mehrere Mitarbeiter in den Ausstand getreten seien. In Härkingen
hätten 14 Angestellte am 19. Januar vorsorglich gekündigt. »Nachdem
den meisten von ihnen am 22. Januar die ausstehenden Löhne gezahlt
wurden, haben jedoch die meisten einen neuen Arbeitsvertrag erhalten«,
sagte Posnansky der Solothurner Zeitung. Die übrigen hätten sich
bereit erklärt, künftig Arbeit auf Abruf zu leisten. Den
Liquiditätsengpass will der Atlantis-Chef durch eine Kapitalerhöhung
um sieben Millionen Franken überwinden, die neue Investoren in der
Firma anlegen sollen. Bei der Suche nach Geldgebern kam Posnansky der
öffentliche Protest seiner Angestellten in die Quere. »Die Aktion
hat uns enorm geschadet«, sagte er. Bis Redaktionsschluss war nicht
klar, ob Atlantis finanziell noch über die Runden kommen wird.
Posnansky war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
|
 |
|
|
|
 |
Der
Maschineningenieur besitzt laut Solothurner Zeitung Patente für die
wichtigsten Produkte der Atlantis-Gruppe, unter anderem den
Solardachziegel SunSlate. Gescheitert sei der »geniale Kopf« jedoch
am Management. Minderheitsaktionäre wollten deshalb auf der
Generalversammlung am 20. Februar die Führung in der Firmengruppe
übernehmen. Mit einem ähnlichen Unterfangen waren sie der
Solothurner Zeitung zufolge allerdings schon vor eineinhalb Jahren
gescheitert.
Die von Atlantis
gebaute Photovoltaikanlage in Bern-Wittigkofen ist mit einer
Gesamtleistung von 79,7 Kilowatt eine der weltgrößten Solarfassaden.
Sie besteht aus 328 Atlantis-Modulen vom Typ Sunwall, die an der
Südseite eines 70 Meter hohen Wohnblocks über 21 der 24 Stockwerke
verlaufen. Als Bauherrin trat die Swissun AG auf, die ebenfalls im
Besitz von Mario Posnansky ist. Das Pilotprojekt hat 1,4 Millionen
Schweizer Franken (1,78 Millionen Mark) gekostet. Rund 900.000 Franken
davon übernahmen Stadt und Kanton Bern sowie der Bund. 380.000
Franken zahlte die Solarkraftwerk Wittigkofen AG, der jetzt die
Solaranlage gehört. Deren Chef Hans Graf, ein pensionierter
Mitarbeiter der Berner Bauverwaltung, beschaffte Kapital von zwei
weiteren Aktionären und einen Kredit der Schweizer Großbank Credit
Suisse, damit die Swissun AG ihre Eigenmittel aus dem Projekt
herausbekam. Der restliche Betrag von rund 100.000 Franken blieb
offenbar an der Swissun hängen. Die Solarkraftwerk Wittigkofen AG
speist den erzeugten Strom zum Preis von 89 Rappen (1,13 Mark) pro
Kilowattstunde ins Netz des Elektrizitätswerks Bern ein. Den
Sondertarif finanzieren die Kunden der vom Elektrizitätswerk
angebotenen Ökostrombörse.
Johannes
Bernreuter
© PHOTON, 15. Februar 2001
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
|
|