Shell-Manager auf neuen Wegen

Die beiden Manager Fritz Vahrenholt, Vorstandsmitglied für Chemie, Umwelt und Erneuerbare Energien der Deutschen Shell AG und Frithjof Kublik, Geschäftsführer der Deutschen Shell Solar GmbH verlassen ihre Posten.

© Shell Solar

Und da war es nur noch einer: Fritz Vahrenholt (rechts) und Frithjof Kublik (Mitte) verlassen Ihre Posten im Shell-Konzern.

Anfang und Ende Juli räumen zwei hohe Tiere bei Shell ihre Schreibtische. Als erster hängt Fritz Vahrenholt, Vorstandsmitglied für Chemie, Umwelt und Erneuerbare Energien, nach nur zweieinhalb Jahren seinen Posten an den Nagel und bleibt in Zukunft nur noch dem Aufsichtsrat des niederländisch-britischen Konzerns erhalten. Offizieller Grund für Vahrenholts Kündigung ist eine Umstrukturierung des Shell-Konzerns: Die Zentrale der Deutschen Shell AG ist vor kurzem aufgelöst worden, die Aktiengesellschaft soll im Sommer in eine GmbH umgewandelt werden.

Die Deutsche Shell AG hatte Vahrenholt 1997 nach der Brent-Spar-Affäre an Bord geholt, um das Image des in der Öffentlichkeit arg angeschlagenen Konzerns wieder aufzupolieren. Dies dürfte dem 51jährigen Chemiker, der sich als Kritiker der chemischen Industrie schon in den achtziger Jahren mit seinem Bestseller »Seveso ist überall« einen Namen machte, zu einem großen Teil gelungen sein: Er war maßgeblich an den Vorverhandlungen zum Aufbau der Solarzellenfabrik in Gelsenkirchen beteiligt, und fädelte einen Deal mit den Hamburger Stadtwerken (HEW) zum gemeinsamen Verkauf von Ökostrom ein. In der Solarszene war der Kernkraftbefürworter Vahrenholt nicht immer unumstritten, da er in seiner Zeit als Hamburger Umweltsenator und gleichzeitiger Aufsichtsratsvorsitzender der HEW für Solarstrom nur eine erhöhte, aber keine Kosten deckende Vergütung einführen wollte. Im Vorlauf der zähen Verhandlungen um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war Vahrenholt jedoch einer der wenigen Wirtschaftsmanager eines großen Konzerns, die öffentlich ihren Einfluss in die Waagschale warfen, um eine Einspeisevergütung von 99 Pfennig für die Kilowattstunde Solarstrom durchzusetzen.

Der zweite scheidende Solarmanager ist Frithjof Kublik, der das Amt des Geschäftsführer der Deutschen Shell Solar GmbH inne hat. Offiziell heißt es bei Shell, Kublik habe nach nunmehr zwei Jahren seine Aufgabe erfüllt, die Weichen für Shell Solar in Deutschland zu legen.

Die Versetzung des Marketingleiters von Shell Solar Niederlande Gosse Boxhorn im Februar und der Rausschmiss des dortigen Geschäftsführers Willem-Jan van Wijk im April deuten jedoch in eine andere Richtung. Es scheint, als habe Karen de Segundo, seit Februar Nachfolgerin des in die Rente ausgeschiedenen langjährigen Leiters des Geschäftsbereichs Erneuerbare Energien Jim Dawson, andere Vorstellungen, wie das Business im Solarbereich zu laufen hat.

Während für Unternehmen aus der Solarbranche noch die Chance besteht, Fritz Vahrenholt einzustellen, wechselt Kublik die Firma nicht: Der gelernte Jurist wird sich demnächst wieder die Hände schmutzig machen, wenn er in die Ölabteilung des Shell-Konzerns zurückkehrt. ms

 

Michael Schmela
© PHOTON, Juli 2000
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