
Wer bietet am meisten?Im
Zuge der Umstrukturierung plant die Bayer AG den Verkauf seiner
Tochter Bayer Solar GmbH. Die Ausgliederung könnte auch das Aus für
die von der gesamten Solarindustrie sehnsüchtig erwarteten
Solarsiliziumfabrik bedeuten.
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Bayer Solar |
| Vor
dem Austausch: Das Bayer-Logo wird in Kürze Vergangenheit
sein. |
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Die
Bayer Solar GmbH mit Sitz im sächsischen Freiberg ist Deutschlands
einziger und Europas größter Hersteller von kristallinen
Siliziumscheiben (Wafer), dem Basismaterial für fast 90 Prozent der
weltweit produzierten Solarzellen. Die jährliche
Produktionskapazität der Bayer Solar GmbH beträgt seit
Fertigstellung der dritten Ausbaustufe Ende 1999 rund 16 Millionen
Wafer aus polykristallinem Silizium und acht Millionen Wafer aus
monokristallinem Silizium. Diese Menge entspricht ungefähr einer
Solarzellenkapazität von 32 Megawatt – das sind etwa 15 Prozent der
im letzten Jahr weltweit verkauften Solarzellen von rund 200 Megawatt.
Doch
bis zum ersten Quartal 2001 sind alle Solarwafer bereits verkauft,
heißt es intern. »Wir wollen möglichst schnell unsere Kapazität
verdoppeln«, bekräftigt Peter Woditsch, Geschäftsführer der Bayer
Solar GmbH, und dazu sind größere Investitionen notwendig. Die
Ausweitung um ein Watt Produktionskapazität kostet rund zwei Mark:
Eine Verdopplung der 32 Megawatt würde also über 60 Millionen Mark
kosten – eine Summe, die die Bayer AG nicht mehr investieren will.
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Bayer Solar |
| Die
gesägten Siliziumscheiben werden von einem Arbeiter
gereinigt. |
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Die von
der Bayer AG mit dem Verkauf der Solartochter beauftragte Schweizer
Investmentbank Credite Suisse First Boston hat 14 potenzielle Käufer
angeschrieben. Dabei kommen als Kandidaten entweder große
Solarmodulhersteller oder Investorengruppen in Frage. »Die
non-binding offers (unverbindliche Angebote) sind da, jetzt geht es in
die due dilligence (engere Auswahl)«, sagt Woditsch, der alles
möglichst schnell über die Bühne bringen möchte.
Einer
der Kandidaten dürfte der Bonner Frank Asbeck sein, Geschäftsführer
des börsennotierten Unternehmens SolarWorld. Erst Ende Mai wurde
Asbeck im Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« zitiert, den ersten
»vollintegrierten Solarkonzern der Welt« schaffen zu wollen. In
einem Interview in der Juni-Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des
Bundesverbandes Windenergie »Neue Energie« wurde er konkreter, als
er von einer »Beteiligung auf der Wafer-Ebene« sprach, die
»demnächst spruchreif wird«. Auch Frithjof Kublik, bis Ende Juni
noch Geschäftsführer der Shell
Solar GmbH gab auf Anfrage zu, dass eine Waferproduktion schon gut ins
Portfolio passen würde. Die Tochter des niederländischen Ölmultis
Shell hatte erst im letzten November eine Solarzellenfabrik in
Gelsenkirchen eröffnet. Von den avisierten zwei Produktionslinien mit
insgesamt 25 Megawatt steht jedoch erst eine, die Fabrikhalle hätte
aber selbst für eine dritte und eventuell eine vierte Platz. Eine
konzerneigene Waferproduktion würde da Versorgungssicherheit auf dem
unsteten Solarmarkt garantieren. Zudem zählen die Siliziumscheiben
von Bayer Solar mit zu den besten auf dem Weltmarkt: Exportiert wird
selbst in den ansonsten für ausländische Solarprodukte schwer
zugänglichen weltgrößten Photovoltaikmarkt Japan. Details über den
möglichen Deal wollte Kublik jedoch nicht erzählen: Verständlich,
alle Bewerber mussten eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben,
dass sie Geheimhaltung bewahren.
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Bayer Solar |
| Siliziumblock
vor dem zersägt werden. |
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Egal,
ob die Bayer Solar GmbH nun verkauft wird, weil die Bayer AG sich auf
die Kernkompetenzen Gesundheit, Landwirtschaft, Polymere und Chemie
konzentrieren will, wie es in der offiziellen Presseerklärung vom 21.
Juni heißt, oder weil sie noch immer keine schwarzen Zahlen schreibe,
wie einige Insider behaupten, Fakt ist: Mit dem neuen Investor soll
endlich das für den Ausbau der Waferproduktion benötigte Geld in die
Bayer Solar GmbH fließen.
Der
Mutterkonzern Bayer AG hatte sich immer sehr zögerlich mit
Investitionen im Solargeschäft gezeigt. Zwar sind rund 78 Millionen
Mark in die Solarwaferfabrik geflossen, davon stammte aber ein
beträchtlicher Teil aus öffentlichen Mitteln. Auch bei einem anderen
Solarprojekt, das direkt in der Bayer AG angesiedelt ist, wurde eher
gekleckert als geklotzt: Die Entwicklung eines Prozesses zur
Herstellung von Solarsilizium, an dem eine Arbeitsgruppe der Bayer AG
seit fast 20 Jahren arbeitet, hätte mit höheren Investitionen
wesentlich schneller vorangetrieben werden können. Aber selbst jetzt,
wo ein kostengünstiges Verfahren entwickelt ist, schreckt der
milliardenschwere Konzern (Umsatz 1999: 27,3 Milliarden Euro) vor
weiteren Investitionen in den gemeinhin als instabil angesehenen, weil
von Fördermitteln abhängigen, Solarmarkt zurück.
Auf der
Europäischen Solarkonferenz in Glasgow war es sonderbarerweise
Woditsch als Geschäftsführer von Bayer Solar, und nicht jemand aus
der Bayer AG, der für das Jahr 2004 eine Fabrik mit einer jährlichen
Produktionskapazität von 2.500 Tonnen in Aussicht stellte. Dazu benötige man aber Risikokapital, das es momentan nicht
gebe, beklagte sich Woditsch.
Dass
die Bayer AG nach dem Verkauf ihrer Tochter Bayer Solar GmbH unter
eigener Regie die geplante Solarsiliziumfabrik bauen wird, scheint
somit unwahrscheinlich, auch wenn Woditsch dem widerspricht. Das eine
habe mit dem anderen nichts zu tun. »Gegenstand der Ausgliederung ist
nicht das Rohstoffprojekt. Das war immer bei der Bayer AG. Und dort
sind auch die ganzen Fördergelder hingeflossen. Die Bayer Solar GmbH
war nur beratend tätig.«
»Die
gesicherte Versorgung mit Solarsilizium ist das vorrangige Thema,«
erklärt Murray Cameron, Geschäftsführer der Europäischen
Photovoltaik Industrievereinigung (EPIA) vor dem Hintergrund der stark
wachsenden europäischen Solarindustrie. Und als sei der Bau der
Solarsiliziumfabrik durch die Bayer AG schon gestorben, wird an einem
neuen Projekt gearbeitet. Ziel sei, ein europäisches Konsortium zu
gründen, das die Versorgung der beteiligten europäischen Firmen mit
Solarsilizium sicherstellt – zu denen mit Sicherheit auch die
»neue« Bayer Solar GmbH gehören wird.
Michael
Schmela
© PHOTON, Juli 2000
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
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