Umweltkontor geht an die Börse

Der Gang an die Börse ist kein Spaziergang. Trotzdem wagt die Umweltkontor Renewable Energy Aktiengesellschaft aus dem rheinischen Hückelhoven den Sprung aufs Börsenparkett. Für Investoren könnte dies eine lukrative grüne Geldanlage sein.

© Umweltkontor Renewable Energy AG

Mit ihm steht und fällt das Unternehmen: Umweltkontor-Vorstand Heinrich Lohmann.

Das hätte Heinrich Lohmann vor elf Jahren auch nicht gedacht. Als umweltengagierter Naturschützer hat er sich 1989 die kleine Lagerwey-Turbine von Windpionier Dietrich Koch in Mettingen angesehen. »Ich wollte damals als BUND-Mitglied nur wissen, ob das auch funktioniert«, erinnert sich Lohmann. Heute ist der 32-jährige Ingenieur ein erfolgreicher Unternehmer, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Leo Noethlichs eines der größten Planungsbüros für den Ausbau regenerativer Energien leitet.

Die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre überzeugen auch konservative Banker. Während Lohmann 1996 mit sechs Mitarbeitern gerade mal 600.000 Mark Umsatz machte, kletterte das Geschäftsvolumen bis Ende 1998 bereits auf 15,7 Millionen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz auf satte 35,7 Millionen Mark, der Mitarbeiterstamm liegt aktuell bei etwa 45 Beschäftigten.

Das rasante Wachstum hat Umweltkontor in erster Linie den steifen Brisen auf luftigen Höhen in Deutschland zu verdanken. Mit der Windenergie lässt sich gutes Geld machen, wenn ein cleveres Team technisch versierte Projekte akquiriert, kaufmännisch sauber abwickelt und zudem noch die Palette der Dienstleistungen systematisch ausbaut. Genau das hat die junge Mannschaft von Umweltkontor früh genug kapiert und konsequent umgesetzt.

Der Haken: Für weitere Expansionspläne, insbesondere für den Einstieg in das Solargeschäft im Ausland, für die Realisierung von Windparks in anderen EU-Staaten und für die Erschließung neuer Technologien wie solarthermische Kraftwerke fehlt der agilen Truppe das nötige Kleingeld. Und genau deswegen strebt Lohmann mit seiner Mannschaft im Juni an die Börse, und zwar an den Neuen Markt in Frankfurt.

Bereits im Januar hat sich die fortknox venture AG aus Köln an dem Senkrechtstarter beteiligt. Die AG ist ein Tochterunternehmen der Kapitalbeteiligungsgesellschaft der Deutschen Versicherungswirtschaft (KdV) mit Stammsitz in Düsseldorf. Branchenkennern ist klar: Wenn die Substanz von Umweltkontor aus »heißer Luft« bestünde, wäre fortknox bei Lohmann&Co nicht eingestiegen.

© Umweltkontor Renewable Energy AG

Zwar hat das Ingenieurbüro Umweltkontor in erster Linie bisher Windparks realisiert, doch auch mit Solarstromanlagen gibt es bereits Erfahrungen, wie diese Anlage in Drimborn zeigt.

Die meisten Mitwettbewerber von Umweltkontor im deutschen Markt konzentrieren sich meist nur auf den Ausbau der Windenergie. Die Hückelhovener dagegen nutzen ihre Kompetenz für die energetische Ausbeute von Sonne, Wind, Wasser und Biomasse. Erfahrungen mit der Sonnenenergie hat das Unternehmen bereits seit 1993. Photovoltaik- und Solarthermieanlagen werden neuerdings via Internet akquiriert. Außerdem will Umweltkontor Dächer in Deutschland mit Solarmodulen in großem Stil bestücken. Keine neue Idee, doch über das WorldWideWeb kommt die Sache gut voran. Ein klarer Vorteil für jeden Anleger: Lohmann und Noethlichs haben in ihrer Führungscrew neue Finanzleute integriert, die für eine solide Planung verantwortlich sind und dafür sorgen, dass die Anleger eine ordentliche Rendite einfahren. Fest steht: Umweltkontor hat es geschafft, innerhalb weniger Jahre zu den Top Five der Planungsbüros in Deutschland aufzusteigen.

Das neue Ziel heißt jetzt Europa. Bis 2005 will das Unternehmen nach eigenen Angaben »europäischer Marktführer« werden. Lohmann setzt auf Wachstum, das nur mit den Geldern eines Börsengangs finanziert werden kann. Realisierungsreife Windparkstandorte mit einem Investitionsvolumen von annähernd 300 Millionen Mark stehen auf der Habenseite. Ab Mitte 2000 wird das Energie-Portfolio durch Wasserkraft erweitert: Konkrete Projekte in Südeuropa mit einem Investitionsvolumen von 60 Millionen Mark liegen vor. Ebenfalls im südeuropäischen Sonnengürtel wollen die Planer ab 2002 thermische Solarkraftwerke bauen. Photovoltaik-Kraftwerke mit einem Volumen bis zu 20 Millionen Mark können noch in diesem Jahr realisiert werden.

An der Börse ist, das wissen Kenner, viel Psychologie im Spiel. Bei Umweltkontor steht und fällt die Zukunft des Unternehmens ohne Zweifel mit den beiden Vorständen Lohmann und Noethlichs. Dass die mit dem Börsengang nicht mal eben eine schnelle Mark machen wollen, darf man ihnen abkaufen. Beide sind umweltbegeisterte Energiefreaks, die sich für eine Energiewende stark machen. »Saubere Energie hat Zukunft und genau darauf setzen wir«, meint Heinrich Lohmann.

Konservative Analysten glauben an einen Erfolg des Auftritts auf dem harten Parkett des deutschen Finanzkapitals. Einziger Wermutstropfen für das junge Team aus der alten Kohlestadt: Die Konkurrenz schläft nicht. Die Firma EnergieKontor AG aus Bremen, nicht weniger erfolgreich als Umweltkontor, wird bereits am 25. Mai ihre Erstnotierung am Neuen Markt in Frankfurt über die Bühne bringen. »Hoffentlich blicken die Anleger bei den ähnlich lautenden Firmennamen noch durch«, meint ein Branchenkenner.

Rechtsform
Aktiengesellschaft

Gegründet

1995

Unternehmensziel

Bis 2005 europäischer Marktführer
im gesamten Spektrum
der erneuerbaren Energien


Eigenkapital

bis zu 9 Millionen DM

Umsatz

1997 4,4 Mio. DM
1998 15,7 Mio. DM
1999 34,7 Mio. DM


Erwartung für 2000 

118,0 Mio. DM

Börsengang

Juni 2000 Es sollen 1,2 Millionen Stückaktien aus einer Kapitalerhöhung plaziert werden; Neuer Markt oder Qualitätssegment im Freiverkehr der Börse Düsseldorf.

Kontakt

Telefon 02433/970-131
Telefax 02433/970-129
www.umweltkontor.com

Ansprechpartnerin
Susanne Rütten 
(Investor Relations)


Gewinnerwartung

sehr hoch

Risiko

niedrig

Positive Auswirkungen
auf die Umwelt

sehr hoch

 

Michael Franken
© PHOTON, 25. April 2000
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