FH Bochum startet bei der World Solar Challenge mit titelverdächtigem Solarauto

19.10.2003: Das Solarauto »Hans Go!« der Fachhochschule Bochum zählt zu den Favoriten der diesjährigen World Solar Challenge, die vom 19. bis 28 Oktober in Australien stattfindet. Es erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 125 Stundenkilometern, der Solargenerator hat einen Wirkungsgrad von 27 Prozent. 

© Fachhochschule Bochum

Gewinnertypen: Mit dem Solarmobil »Hans Go!« wollen die Studenten der Fachhochschule Bochum bei der World Solar Challenge den ersten Platz erringen. 

Das neue Solarauto der Fachhochschule Bochum hat einen programmatischen Namen: »Hans Go!« heißt es – und die zehn am Projekt beteiligten Studenten wollen damit bei der diesjährigen World Solar Challenge Ende Oktober den ersten Platz gewinnen. Das könnte ihnen sogar gelingen. »Wir haben definitiv den besten Solargenerator am Markt», verkündet Pressesprecher Stefan Spychalski zuversichtlich. Zudem erreiche das dreirädrige Fahrzeug eine Spitzengeschwindigkeit von 125 Stundenkilometern. 

Die Dreifachstapelzellen aus Gallium-Arsenid haben einen Wirkungsgrad von 27 Prozent. Sie wurden von dem Solarspezialisten Hans Gochermann in einer speziellen Einbettungs- und Verschaltungstechnik auf einer Fläche von insgesamt 9,4 Quadratmetern aufgebracht. Der Generator leistet 2,4 Kilowatt, seine Energie wird in Lithium-Ionen-Akkus gespeichert und auf einen bürstenlosen Gleichstrommotor übertragen. »Das Fahrzeug habe ich zusammen mit den Studenten so ausgelegt, dass die Fläche auf der Oberseite möglichst eben ist. So können wir besonders viel Leistung herauszuholen«, erklärt Gochermann. Er stellte den Bochumern den Solargenerator im Wert von rund 210.000 Euro kostenlos zur Verfügung. Als Dank wurde sein Vorname verewigt. 

Im August präsentierten die Bochumer Studenten aus den Fachbereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Mechatronik das Fahrzeug nach fast zweijähriger Entwicklungszeit erstmals der Öffentlichkeit. Ende September reisen sie dann nach Australien, um »Hans Go!« in Testfahrten zu erproben.

© Fachhochschule Bochum

»Hans Go«" wurde so optimiert, dass möglichst viele Solarzellen auf die Oberfläche passen – für den Fahrer bleibt dagegen nur wenig Platz.

Vier von ihnen werden das Solarauto bei dem Rennen fahren, das vom 19. bis 28. Oktober quer durch den Kontinent von Darwin im Norden Australiens bis zum 3.000 Kilometer entfernten Adelaide führt. Um zu gewinnen muss das Team eine Durchschnittsgeschwindigkeit von deutlich mehr als 90 Stundenkilometern erreichen. Denn der niederländische Titelverteidiger Alpha Centauri schaffte bereits bei dem letzten Rennen vor zwei Jahren 91,8 Stundenkilometer. 

Die Spitzengeschwindigkeit von »Hans Go!« liegt zwar bei 125 Stundenkilometern, doch muss man bei schlechtem Wetter natürlich etwas sparsamer mit der Energie umgehen, damit sie bis zum nächsten Aufladen reicht. Um immer die optimale Rennstrategie zu ermitteln, werden die Temperatur und die Spannung der Batterien sowie die Leistung des Solargenerators kontinuierlich per Funk an das Begleitfahrzeug übertragen und dort ausgewertet. 

Im Windkanal von Audi wurde das Mobil optimiert. »Wir haben extrem hohen Wert auf Aerodynamik gelegt«, erklärt Spychalski. »Die wurde in den letzten Jahren vernachlässigt.« Laut Gochermann hätten die Holländer mit ihrem Solarauto Nuna bei dem letzten Rennen nicht den ersten Preis gewonnen, wenn sie nicht so viel Rückenwind gehabt hätten. Denn das Fahrzeug des zweiten Siegers Aurora sei bedeutend windschnittiger gewesen. 

Die Bochumer erreichten damals den 16. Platz von insgesamt 34 Teilnehmern. Der Wirkungsgrad ihres Solarautos Mad Dog 3, das sie zusammen mit der South Bank University in London entwickelt hatten, betrug allerdings nur 15 Prozent. Neben dem nunmehr deutlich höheren Wirkungsgrad sieht Spychalski als Vorteil, dass »wir jetzt eine Aerodynamik haben, die in keiner Weise mit dem von Mad Dog 3 vergleichbar ist«. 

Die Veranstalter rechnen bei dem Rennen, das dieses Jahr zum siebten Mal stattfindet, mit mehr als 30 Teams aus zwölf Ländern. Zehn Fahrzeuge werden auch dieses Jahr wieder mit Solargeneratoren von Gochermann an den Start gehen. Zu den größten Konkurrenten des deutschen Teams zählt der Experte das holländische Team Alpha Centauri und die Aurora Vehicle Association aus dem australischen Bundesstaat Victoria, deren Solarzellen er ebenfalls mit seiner speziellen Technik eingebettet hat. Während Gochermann den Wirkungsgrad von Auroras Solargenerator auf rund 25 Prozent schätzt, erreicht das Nachfolgemodell des Titelverteidigers, Nuna 2, dieses Jahr sogar 29 bis 30 Prozent. 

Die größte Konkurrenz kommt somit aus dem Nachbarland, zumal die Niederländer dieses Jahr sogar eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern anpeilen. Es könnte daher knapp werden für die Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet. 

Die Rallye kann unter www.wsc.org.au verfolgt werden

Iris Krampitz
© PHOTON, 2003
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags

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