Flabeg Solar muss Module auf dem Bundeswirtschaftsministerium austauschen

Innerhalb von zehn Jahren stieg Pilkington Solar zum Marktführer für Fassadenmodule auf. Nun ist die Firmennachfolgerin Flabeg Solar mit einem unangenehmen Problem konfrontiert: Module mit einem bestimmten Zelltyp von Siemens Solar zeigen milchige Flecken. 

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Gewährleistung gefordert: Die fleckig gewordenen Module der Solaranlage auf dem Dach des Bundeswirtschaftsministeriums müssen ausgetauscht werden.

Unter den Berliner Regierungsbauten ist sie ein Vorzeigeprojekt: die Solarstromanlage auf dem 180 Meter langen Neubau des Bundeswirtschaftsministeriums an der Scharnhorststraße. Seit 1998 ist das Solardach aus Glas-Glas-Modulen in Betrieb und liefert auf einer Fläche von über 1.000 Quadratmetern 100 Kilowatt elektrische Leistung. Doch im vergangenen Winter machten sich Flecken an der glänzenden Fassade bemerkbar: »Die Solarmodule werden milchig. Das Schlimmste daran ist: Diese Flecken wachsen ständig«, klagt Andreas Kübler, Sprecher des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, das das Gebäude des Wirtschaftsministeriums betreut.

Geliefert hatte die Module die Solartochter von Pilkington. Von deren Rechtsnachfolgerin, der Flabeg Solar International GmbH, verlangte das Bundesamt Anfang des Jahres, die Module komplett auszutauschen. Es handle sich um einen »hundertprozentigen Gewährleistungsmangel«, sagt Kübler. Die Flecken seien zwar zunächst nur ein ästhetisches Problem und würden keine Einbußen in der Leistung der Photovoltaikanlage bewirken. Trotzdem würde in Zukunft »ein Leistungsabfall verzeichnet werden können«.

Flabeg Solar wird dem Ansinnen des Bundesamtes nachkommen. »Wir erfüllen die Gewährleistung in vollem Maße«, betont Geschäftsführer Joachim Benemann. Im Herbst soll die erste Hälfte der Optisol-Module ersetzt werden, im nächsten Jahr der Rest. Flabeg bleibt gar nichts anderes übrig, als so zu handeln. Die Prestigeanlage auf dem Wirtschaftsministerium steht im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. »Wir möchten unseren Ruf nicht beschädigen, sondern festigen«, sagt Benemann. »Wir lassen unseren Kunden nicht im Regen stehen.«

Kosten: zwei Millionen Mark

Die Austauschaktion kostet das Unternehmen nach Angaben des Geschäftsführers nahezu zwei Millionen Mark. Die üblichen Rückstellungen für Gewährleistungen reichen laut Benemann nicht für »solche Sonderfälle« aus. Flabeg Solar wird deshalb nach einem positiven Ergebnis im Geschäftsjahr 2000/2001, das am 30. März endete, in diesem Jahr wohl rote Zahlen schreiben. Den Verlust fängt die Flabeg Holding GmbH auf, mit der die 100-prozentige Tochter Flabeg Solar einen Ergebnisabführungsvertrag geschlossen hat. Bei einem Jahresumsatz von 400 Millionen Mark kann die Flabeg-Gruppe den Zwei-Millionen-Betrag wegstecken, trotzdem ist es für Benemann »ein nicht angenehmer Vorfall«. Gegenwärtig überlegt der Geschäftsführer, die ausgetauschten Module zur Stromerzeugung weiterzuverwenden.

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Fortschreitende Fleckenbildung: Ein Pilkington-Modul auf der Eingangshalle der Technischen Universität München in Garching Ende 1999 (oben) und Anfang 2001.

Das Unternehmen hat inzwischen eine Ursache für die seltsamen Flecken in den Glas-Glas-Modulen ausgemacht: Das Gießharz, in das die Solarzellen zwischen den beiden Glasscheiben des Moduls eingebettet werden, löst sich von der Vorderseite der von Siemens Solar produzierten monokristallinen Zellen ab. Die bläulich schimmernde Antireflexschicht sei offenbar nicht verträglich mit dem Gießharz, erklärt Benemann. Aus diesem Grund hat Flabeg die Verwendung dieses Zellentyps gestoppt und setzt jetzt EFG-Zellen von ASE ein. Zur Sicherheit wird das Gießharz nun auch länger als üblich ausgehärtet.

Benemann beteuert, dass die Flecken in den schadhaften Modulen »nicht durch schludrige Arbeit hervorgerufen wurden«. Auch hätten die Module »alle international üblichen Tests bestanden«. Aber solche Dinge ließen sich bei der Entwicklung neuer Technologien nicht vermeiden. »Mir ist sehr daran gelegen, dass die Photovoltaik nicht in den Ruf kommt, sie funktioniere nicht«, sagt der Flabeg-Geschäftsführer.

Schäden bei mehreren Projekten

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Großflächiger Schaden: Die Pilkington-Module der 5-Kilowatt-Anlage auf einem Reihenhaus im Gelände der Internationalen Gartenausstellung in Stuttgart sind übersät von milchigen Flecken.

Bereits 1999 wurde das Unternehmen mit Flecken an Modulen konfrontiert, die sie für die Firma Braas produziert hatte. Die Module enthielten laut Benemann den gleichen Zelltyp, besaßen aber auf der Rückseite eine Beschichtung mit Siebdruck in den Bereichen, in denen die Räume zwischen den Solarzellen Licht durchlassen. Dadurch soll das Modul auf dem Dach nach unten lichtundurchlässig sein, gleichzeitig aber bei der Produktion noch UV-Licht von der Unterseite her zur Aushärtung des Gießharzes empfangen. Die Ablösung des Gießharzes von den Solarzellen führte Flabeg damals auf diese Siebdruckbeschichtung zurück. Nach den Angaben Benemanns mussten »mehrere hundert« Module ausgetauscht werden.

Es gibt weitere Beispiele für fleckig gewordene Module des Flabeg-Vorgängers Pilkington: das Solardach der Stadtwerke Aachen (fünf Kilowatt) und die Solarsiedlung der Stadtwerke Bremen (200 kW) sowie Anlagen auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Stuttgart (5 kW) und auf der Eingangshalle der Technischen Universität München in Garching (20 kW). Bestückt sind diese Module mit mono- und polykristallinen Solarzellen von ASE und BP Solar. Benemann äußert sich zu diesen Fällen nicht konkret. »Wir haben natürlich einzelne Schäden«, meint er nur, aber von einem »Serienschaden«, der an jedem Modul auftritt, will er ausschließlich bei der Anlage des Bundeswirtschaftsministeriums sprechen.

Johannes Bernreuter
© PHOTON, 23. Mai 2001
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