
Solarenergie zum AnfassenShell
Solar zeigt in seinem neuen »Photovoltaik-Informationszentrum«
einzigartige Exponate, die das Thema Solarstrom auch Laien
eindrucksvoll vermitteln.
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neben Shells Solarzellenfabrik (links) steht das neue
Photovoltaik Informationszentrum. Gleich über dem Eingang
befindet sich das erste Exponat: In die Fassade
integrierte holographische Konzentratorzellen |
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Fachleute
treibt es vermutlich gleich zum großen Eckbildschirm in der
Ausstellungshalle. Dort erhalten sie live einen Einblick in das Herz
der benachbarten Solarzellenfabrik, die auf andere Weise offiziell
nicht zugänglich ist. Entlang einer der größten und modernsten
Solarzellen-Produktionslinien Europas sind eine Hand voll Kameras
installiert. Auf Knopfdruck lässt sich die Einstellung einer jeden
auf den Bildschirm holen, von der Ätzanlage zum Säubern der blanken
Siliziumscheibe bei Prozessbeginn oder dem Diffusionsofen, wo gezielt
Fremdatome in das Silizium eingedampft werden, damit es Strom aus
Sonnenenergie erzeugen kann.
»Die
Ausstellung richtet sich nicht nur an Experten. Sie ist ein genauso
interessantes Ziel für Familienausflüge oder Schulexkursionen«,
erklärt Dominik Schröder, Marketingleiter der Shell Solar
Deutschland Vertrieb GmbH. Für solare Neulinge bietet ein
20-minütiges Video einen Einblick in die Welt der erneuerbaren
Energien mit dem Schwerpunkt Photovoltaik, und gleichzeitig einen
Ausblick, was auf den drei Ebenen mit insgesamt 300 Quadratmetern
Ausstellungsfläche zu erwarten ist. Ein Leitsystem lädt zum Erkunden
ein, genauso gut können aber kostenlose Gruppenführungen angemeldet
werden.
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| Der
Eingangsbereich des neuen Photovoltaik Informationszentrum |
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Die
»Solarfabrik zum Mitmachen«, wie Shell die Ausstellung im
Photovoltaik Informationszentrum (PiZ) in Anlehnung an die benachbarte
»echte« Solarzellenfabrik nennt, beschreibt den vollständigen
Herstellungsprozess vom Ausgangsprodukt Sand über die Solarzelle bis
zu Solarmodul und Solaranlage im Betrieb. »Wir haben die
Basisausstellung im Erdgeschoss in drei Teile gegliedert: vom Sand zum
Wafer (Siliziumscheibe), vom Wafer zur Solarzelle und von der
Solarzelle zum System, so dass ein Laie alles in einer begrenzten Zeit
besuchen kann«, erläutert Klaus Heidler, Inhaber der für das
Ausstellungsdesign zuständigen Firma Solar Consulting aus Freiburg,
ohne das Spielzeug für Handwerker und Physikkurse zu vergessen: »Ein
Experimentiertisch ist dann noch was für Leute, die es ganz genau
wissen wollen.«
Das
wohldurchdachte Konzept, das der ehemalige Pressesprecher des
Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme Heidler in
Zusammenarbeit mit früheren Arbeitskollegen verwirklicht hat, ist
vermutlich einzigartig in der Welt. Mal abgesehen vom Blick auf Shells
Solarzellen-Produktionslinie, gibt es durchaus auch klassische
Ausstellungsformen wie Vitrinen, in denen zum Beispiel Silizium, der
Rohstoff für die meisten Solarzellen, in verschiedenen Variationen
dargestellt ist: als Sand, bestehend aus Siliziumdioxid, in Form
murmelgroßer Kugeln aus reinem Silizium oder als zylindrische
Einkristalle (Ingots). Das Gros der Exponate ist aber eher unübliche
Präsentation, wie das Modell einer Drahtsäge, die im Betrieb den
Ingot mit einem bis zu 700 Kilometer langen Draht von lediglich 180
Mikrometer Durchmesser in hauchdünne Wafer teilt. Das Phänomen
Solarzelle, in der sich bei Sonneneinstrahlung Elektronen und – für
den Nicht-Insider unerklärbare – Löcher bilden, die dann den Strom
produzieren, ist mit Hilfe eines faszinierenden mechanischen Modells
aus Flüssigkeiten unterschiedlicher Farbe – ähnlichen den
Lava-Lampen – erklärt.
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| Per
Joystick können zwei Spieler im Wettstreit dem Punkt
Maximalen Powers (MPP) nachjagen und so erleben, wie MPP
Tracking funktioniert |
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Interaktive
Exponate dürften auch bei Skeptikern der Solartechnik Begeisterung
entfachen. So kann an einem Exponat per Knopfdruck ein Kran gestartet
werden, der eine Stahlkugel in etwa 100 Zentimeter Höhe hebt, um sie
dann auf ein Solarmodul fallen zu lassen – so oft man mag. Dieser
Versuch entspricht einem Test für Solarmodule der Internationalen
Elektrotechnischen Kommission (IEC) zur Überprüfung der
Modulbeständigkeit gegenüber Hagelschauern. Am
Profi-Experimentiertisch können mehrere mit künstlichen Lichtquellen
bestrahlte Solarmodule in Reihe oder parallel verschaltet werden,
sowie die Auswirkungen von elektrischen Lasten in Form von
Ventilatoren und von Modulabschattungen über Stromspannungskurven
beobachtet werden.
Wenn
der Besucher mit den Grundlagen vertraut ist, kann er sich auf der
Dachterrasse anschauen, wie so eine Photovoltaikanlage wirklich
funktioniert. Shell Solar vertreibt beispielsweise in Südafrika seit
über einem Jahr ein solares Inselsystem, bestehend aus einem
Solarmodul, Batterie und Laderegler, die mit einer »aufladbaren«
Magnetkarte ähnlich unserem Geldkarten-System betrieben werden kann.
Dieses mittlerweile 6.000-fach installierte »Power House-System«
ist, vielleicht etwas pathetisch anmutend, in einer Strohhütte
aufgebaut, bietet aber ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie
finanzschwache Menschen in Entwicklungsländern in den Genuss sauber
erzeugten Stroms kommen können, ohne die Solaranlage selbst kaufen zu
müssen.
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| Mittels
beweglichem Solarmodul kann der Einfluß des
Neigungswinkels und der Ausrichtung auf den Stromertrag
ausprobiert werden. |
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Einen
interessanten Aspekt hinsichtlich der Stromernte demonstrieren zwei
andere Exponate auf dem Dach. Die Leistung einer über
einenechselrichter ans Stromnetz angeschlossenen und in einem
bestimmten Winkel montierten Solaranlage, wie sie in Deutschland
üblich ist, kann über eine Anzeigetafel mit einem manuell der Sonne
nachführbaren Solarmodul verglichen werden. Dabei wird deutlich, dass
die Nachführung die Stromernte steigert, eine Integration in ein Dach
dann aber erschwert wird.
Als
nicht besonders einfach erweist sich auch das laut Katalog
spektakulärste Ausstellungsstück: die benachbarte Solarzellenfabrik.
Bei unserem Besuch einen Tag vor der offiziellen Eröffnung am 24. Mai
zeigten die Kameras zwar das Fließband – aber ohne Zellen. Und
während Dominik Schröder ähnlich irritiert schien wie wir, hatte
der zum 1. Juli in die Öl-Sparte des Unternehmens zurückkehrende
Geschäftsführer von Shell
Solar Deutschland Frithjof Kublik sofort eine Antwort parat: »Keine
Panik, es ist nur eine eintägige Reparatur. Wir sind im Mai in den
Dreischicht-Betrieb übergegangen.«
Michael
Schmela
© PHOTON, Juli 2000
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
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