
Bestechende IdeeSeit
dem 25. Mai fährt auf Hamburgs Gewässern das größte Solarboot der
Welt die »Alster Sonne«. Wirtschaftlich fährt das Zukunftsboot der
schwäbischen Kopf AG der Dieselkonkurrenz davon. Nächstes Jahr
könnten weitere Exemplare des ästhetischen Bootes folgen.
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Kopf AG |
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solarbetriebene Alster Sonne kann bis zu 100 Passagiere
transportieren. |
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Ganz
putzig«, das war der erste Eindruck, den Jens Wrage im vergangenen
November von der Solarfähre auf dem Bodensee hatte. Für den
Geschäftsführer der Alster Touristik GmbH hat ein Schiff zwar einen
ordentlichen Dieselgenerator – »so zwischen 94 und 150 kW« – und
natürlich nur einen Rumpf; auf der Webseite der Alster Touristik
schwärmt man sogar von »riesigen Pötten«. Der zarte Solarkatamaran
auf dem Bodensee hat dagegen nur Solarmodule mit der bescheidenen
Leistung von 4,2 kW auf dem Dach. Und nicht einmal einen Ersatzdiesel
an Bord. Doch Wrage war fasziniert: »Eine bestechende Idee«.
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Kopf AG |
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durch das Solardach der »Alster Sonne«: Die 8,2
kW-Solarmodule sind die einzige Energiequelle an Bord. |
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Zusammen
mit Friedrich Kopf, dem Geschäftsführer der Kopf AG, die den
Solarkatamaran auf dem Bodensee gebaut hat, dachte Wrage über den Bau
eines »richtigen« Solarschiffes nach. Seine Mindestanforderungen:
zwölf Stunden Dauereinsatz täglich auf der Alster, Transport von 100
Personen, 85 davon mit Sitzgelegenheit und Tischen, manövrierfähig
durch eine Person. Für Kopf war dies das größte Solarboot, das er
je geplant hatte. Alle bisher gebauten zehn Solarschiffe waren
deutlich kleiner. Die Ende 1999 auf dem Bodensee in Betrieb genommene
Solarfähre beispielsweise dient mit ihren beachtlichen 20 Metern
Länge dem Transport von nur 50 Passagieren. Die Alster Touristik
jedoch wollte ein knapp 30 Meter langes Schiff. Die Kopf AG nahm die
Herausforderung an. Das Unternehmen ist seit rund 25 Jahren in Sachen
Photovoltaik und Edelstahlverarbeitung tätig. Die Solarboote kamen
erst vor vier Jahren hinzu – als ideale Verbindung dieser beiden
Bereiche.
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Kopf AG |
| Mit
einem Schwertransport wurde der 42-Tonner auf dem Landweg
vom schwäbischen Balingen nach Hamburg transportiert. |
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Für
jeden Zweck sind die umweltfreundlichen Transportmittel jedoch nicht
geeignet. Auf einem Fluss wie der Elbe, so Jens Wrage, würde ein
Leichtgewicht mit derart leistungsschwachen Motoren wie die »Alster
Sonne« schlicht von der Kraft des Wassers mitgerissen. Auf der Alster
dagegen herrscht kaum Strömung. Hier reichen die beiden 8-kW-Motoren
aus, um das Solarboot mit einer Höchstgeschwindigkeit von zehn
Stundenkilometern voranzubringen. Mehr Power ist auch gar nicht
notwendig: Ab acht Stundenkilometer macht man sich auf der Alster der
Geschwindigkeitsübertretung schuldig. Die niedrige Motorleistung auf
solch friedlichen Gewässern macht die solare Konkurrenz gegenüber
einem gleich großen Dieselboot sogar wirtschaftlicher. Als
Imageprojekt will Wrage das 1,4 Millionen Mark teure Boot auf keinen
Fall verbuchen. »Wir sind ein kommerzieller Betrieb.«
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| Eine
50-minütige Fahrt mit der Alster-Sonne auf Hamburgs
Binnen- und Außenalster kostet 16 Mark und kann bei der
Alster Touristik unter Telefon 040/357 42 40 gebucht
werden. |
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Bevor
Wrage jedoch über eine Erweiterung der Solarflotte nachdenken
möchte, müssen im Sommer zunächst Erfahrungen gesammelt werden. Wie
verhält sich das Solarschiff bei Windgeschwindigkeit sechs oder
sieben? Und wird es unter dem Solar-Glas-Dach nicht zu heiß? Wenn
alles so gut klappt wie auf der Jungfernfahrt, dann »kann ich mir
schon vorstellen, dass wir noch eins kaufen«.
Für
die Kopf AG hat sich das Großprojekt schon jetzt gelohnt: Ein
weiteres solarbetriebenes Fährschiff – mit knapp zehn Metern jedoch
deutlich kleiner als die »Alster Sonne« – wird ab Juli auf dem
Masch-See in Hannover seinen Betrieb aufnehmen und als Expo-Attraktion
für weltweites Interesse sorgen. »Sogar die Expo-Chefin Birgit
Breuel hat ein Model-Solarboot in der Hand gehabt«, schwärmt
Friedrich Kopf. Und die Presseberichte über die »Alster Sonne«
haben ihm schon zahlreiche Anfragen eingebracht. Gut möglich, dass
künftig auch auf den Flüssen und Seen Österreichs, Hollands,
Ägyptens und den USA die ökologischen Solarboote aus dem
Schwabenländle schippern.
Anne
Kreutzmann
© PHOTON, Juli 2000
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
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