100.000-Dächer-Programm am Ziel

Das 100.000-Dächer-Programm erreicht seine Zielmarke von 300 Megawatt installierter Leistung schneller als von vielen erwartet. Am 23. Juni gaben das Bundesumweltministerium und die Kreditanstalt für Wiederaufbau in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt, dass Anträge auf ein zinsgünstiges Darlehen aus dem Programm nur noch bis zum Montag, 30. Juni, bei der Förderbank gestellt werden können.

 

© Olaf-Wull Nickel

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat für das 100.000-Dächer-Programm viel Werbung gemacht - hier ein Plakat an einem Bauzaun in Frankfurt. Mit Erfolg: Das Programm ist Ende Juni vorzeitig ausgeschöpft.

 

Das nahende Ende des 100.000-Dächer-Programms hat einen enormen Run ausgelöst: Nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gingen im Juni täglich rund 300 Anträge auf Darlehen für Solarstromanlagen mit einer Leistung von insgesamt zwei Megawatt ein. Im Mai waren es noch 200 Anträge pro Tag, während sich die Zahl im selben Monat des Vorjahres nur auf durchschnittlich 60 Anträge belief. Bis zur Veröffentlichung der gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Umweltministerium am 23. Juni waren laut KfW Darlehen für eine Gesamtleistung von 250 Megawatt bewilligt. Die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) geht jedoch davon aus, dass zusammen mit den noch unbearbeiteten Anträgen schon vor dem Stichtag 30. Juni die angepeilte Marke von 300 Megawatt überschritten war.

Dennoch nimmt die KfW an, »dass man alle Anträge zusagen kann«, so die Pressesprecherin Charis Pöthig. Als Grund dafür nennt Christof Stein, der als Referatsleiter im Umweltministerium die Markteinführungsprogramme für erneuerbare Energien verantwortet, zwei Faktoren: Zum einen gebe es am Schluss eines Programms erfahrungsgemäß eine »überproportionale Verzichtsquote« übereilt eingereichter Anträge. Zum anderen koste den Bund die Zinsverbilligung für das 100.000-Dächer-Programm durch das derzeit niedrige Zinsniveau auf dem Kapitalmarkt nicht so viel. »Von daher gehen wir davon aus, dass alle Anträge zugesagt werden können – auch in dem Fall, dass es über die 300 Megawatt hinausgeht«, erklärte Stein gegenüber PHOTON. Er könne dafür allerdings »keine Garantie abgeben«. Stein rechnet ebenso wie die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft damit, dass die KfW noch mindestens bis Ende Oktober braucht, um den Antragsberg abzuarbeiten.

Als Ersatz für das 100.000-Dächer-Programm bietet die KfW für Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden Darlehen aus ihrem CO2-Minderungsprogramm an. Der seit 3. Juli gültige Zinssatz beträgt bei einer Laufzeit von zehn Jahren effektiv 3,47 Prozent. Die Rückzahlung des Darlehens lässt sich auch über 20 Jahre strecken – also annähernd so lange, wie der Energieversorger die gesetzliche Einspeisevergütung für Solarstrom zahlt. Der effektive Zinssatz liegt dann bei 3,79 Prozent; bei einer ebenfalls möglichen Laufzeit von 30 Jahren sind es 3,96 Prozent.

Wird ein Wohngebäude, das vor 1979 errichtet wurde, saniert, um Energie einzusparen, kommt als Förderung für eine Photovoltaikanlage auch das Maßnahmenpaket 4 im KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm in Frage. Der effektive Zinssatz für ein 20-jähriges Darlehen beträgt nur 1,66 Prozent, bei 30 Jahren Laufzeit sind es 1,96 Prozent. Gewerbliche Investoren, die eine Photovoltaikanlage nicht auf Wohngebäuden errichten wollen, müssen auf das KfW-Umweltprogramm ausweichen. Hier beläuft sich der effektive Zinssatz je nach Laufzeit auf 4,10 bis 5,22 Prozent.

Weitere Informationen:

CO2-Minderungsprogramm
http://www.kfw.de/DE/Unsere%20Kreditprogramme/
KfW-Formul26/M_CO2_Mind.pdf


KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm
http://www.kfw.de/DE/Unsere%20Kreditprogramme/
KfW-Formul26/M_Gebsan.pdf

Maßnahmenpaket 4
http://www.kfw.de/DE/Unsere%20Kreditprogramme/KfW-Formul26/
M_Gebsan_B.pdf

KfW-Umweltprogramm
http://www.kfw.de/DE/Unsere%20Kreditprogramme/
KfW-Formul26/M_Umwelt.pdf


Zinssätze
http://www.kfw.de/DE/Unsere%20Kreditprogramme/konditionen.html

 

Johannes Bernreuter
© PHOTON, 9. Juli 2003
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags

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