Stoiber: »Wir werden das Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten«

Edmund Stoiber nutzte die Gelegenheit bei der Einweihung einer neuen Solarzellenproduktion am 27. August, die Haltung von CDU/CSU zum Erneuerbare-Energien-Gesetz klarzustellen. Wörtlich sagte der Kanzlerkandidat vor rund 500 geladenen Gästen: »Wir werden auch nach dem 22. September das Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten.« Bündnis 90/Die Grünen warfen Stoiber »Wählertäuschung« vor.

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Sinneswandel oder Wahlkampf? Die Zuhörer waren geteilter Meinung, was Stoibers »Wir-erhalten-das-EEG«-Rede zu bedeuten hat.

Stoibers Rede hat viele Zuhörer überrascht. Denn bisher gab es kein eindeutiges Bekenntnis der CDU/CSU zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), dem Gesetz, das auch über Erfolg oder Misserfolg der neuen Solarzellenfabrik der RWE Solar GmbH entscheiden wird, die am 27. August in Alzenau eingeweiht wurde. Insbesondere der wirtschaftspolitische Sprecher der Union, Matthias Wissmann, sowie der energiepolitische Experte der Unionsfraktion im Bundestag, Kurt-Dieter Grill, haben sich negativ zum EEG im Allgemeinen und der Photovoltaik im Besonderen geäußert. Stoiber versuchte nun Boden wettzumachen: »Die Förderung der Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien wird Schwerpunkt der Politik bleiben«, so der Kanzlerkandidat: »Wir halten an der Verankerung der Förderung der Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien fest. Wir werden auch nach dem 22. September das Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten.«

Ob damit eine unveränderte Weiterführung gemeint ist, darf allerdings bezweifelt werden. Denn Stoiber will auch dafür sorgen, dass es den »größtmöglichen Anreiz zur Kostensenkung« bietet und die »Mittel möglichst effizient eingesetzt« werden. Eine unterschiedliche Behandlung marktnaher und marktferner Technologien käme somit in Betracht. Und Photovoltaik, wenn auch nicht als Beispiel genannt, ist bekanntlich derzeit noch eine vergleichsweise »marktferne« Technologie. Genauere Ausführungen machte Stoiber zu diesem Punkt nicht. Dafür bekräftigte er, dass für ihn zu einem »sinnvollen Energiemix« auch die Kernenergie gehört.

Hans-Josef Fell, der in seiner Eigenschaft als Eurosolar-Vorstandsmitglied die Schlussworte sprach (zu diesem Zeitpunkt war Stoiber bereits wieder gegangen), erinnerte seine Zuhörer an den Widerstand der CDU/CSU bei Einführung des EEG und den Versuch, die Erhöhung des Deckels von 350 Megawatt auf 1.000 Megawatt zu verhindern. Sein Fazit: »Stoiber betreibt Wählertäuschung.«

 

Anne Kreutzmann
© PHOTON, 28. August  2002
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