Und er fällt doch: 350-MW-Deckel wird durch 1.000-MW-Deckel ersetzt

Am 5. Juni wurde im Finanzausschuss des Bundestages beschlossen, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgesehene Begrenzung der zu fördernden Photovoltaikleistung von 350 auf 1.000 Megawatt anzuheben. Die Gesetzesänderung soll am kommenden Freitag im Bundestag verabschiedet werden.
 

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Doch noch umgestimmt: Bundeswirtschaftsminister gab kurz vor der Sommerpause seine Zustimmung zu einer Anhebung des Deckels auf 1.000 Megawatt.

Erst Mitte Mai war der Versuch gescheitert, im Zuge der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) den 350-Megawatt-Deckel aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu streichen. Möglich gewesen wäre dies über ein so genanntes Artikelgesetz, also einer Art Trittbrettfahrt bei der ohnehin anstehenden EnWG-Novelle. Doch Bundeswirtschaftsminister Werner Müller stellte im Vorfeld klar, dass er keine vorgezogene Änderung des EEG wünsche, sondern erst den für Mitte des Jahres vorgesehenen Erfahrungsbericht abwarten wolle. Gegen den Willen Müllers wollte insbesondere die SPD-Fraktion die EEG-Novelle nicht durchführen; der Antrag wurde bei der EnWG-Novelle nicht einmal eingebracht.

Doch bereits in der Sitzung am 17. Mai sprach Müller den 350-Megawatt-Deckel an: »Ich will gern sagen, dass wir bereit sind, den 350-Megawatt-Sockel photovoltaischer Energie aufzuheben. Ich kann hier auch gern versprechen, dass ich jederzeit zur Verfügung stehe, um mit den entsprechenden Verbänden der Solarwirtschaft ein verbindliches Abkommen darüber zu treffen«, erklärte Müller während der Diskussion um die EnWG-Novelle. Ein Versprechen, auf das die Solarverbände jedoch keinen gesteigerten Wert legten, denn es gilt, Banken zu überzeugen, Kredite für Solarfabriken zu bewilligen. Eine Absichtserklärung eines Ministers würde dafür nicht ausreichen, so die einhellige Meinung der Branche.

Am letzten Wochenende gelang es schließlich den Verbänden und einigen Bundestagsabgeordneten der SPD - besonders engagiert haben sich hierbei Hermann Scheer und Rainer Brinkmann - den Fraktionsvorsitzender der SPD, Peter Struck, und den Vorstandssprecher von Bündnis 90 / Die Grünen, Rezzo Schlauch, von der Notwendigkeit einer sehr kurzfristigen Streichung des 350-Megawatt-Deckels zu überzeugen. Hinzu kam, dass der Bundesverband Erneuerbare Energien die Wünsche der Vertreter anderer erneuerbarer Energien zurückstellte und sich für eine isolierte Streichung des 350-Megawatt-Deckels aussprach.

Dies scheint auch Müller schließlich überzeugt zu haben. Einer unbegrenzten Förderung, so wird aus gut informierten Kreisen berichtet, wollte er dennoch nicht zustimmen, worauf die SPD-Fraktion Anfang der Woche eine Anhebung des Deckels auf 1.000 Megawatt vorschlug. Diese wurde am 5. Juni im Finanzausschuss zusammen mit dem Mineralölsteuergesetz beschlossen, das jetzt anstelle des EnWG das nächstmögliche (und vor der Sommerpause auch das letztmögliche) Vehikel für die EEG-Novelle in Form eines Artikelgesetzes darstellt. Es ändert sich also am EEG selbst nichts, nur der Deckel wird von 350 Megawatt auf 1.000 Megawatt angehoben. Das Gesetz wird voraussichtlich am Freitag im Bundestag verabschiedet. Danach muss es noch dem Bundesrat vorgelegt werden, der jedoch nicht zustimmungspflichtig ist. Das In-Kraft-Treten der neuen Fassung des EEG gilt deshalb in Fachkreisen als sicher.

 

 Anne Kreutzmann
© PHOTON, 5. Juni 2002
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