
Deutsche
Energieagentur soll Export fördern
Die vom
Bundeswirtschaftsministerium initiierte Deutsche Energieagentur (dena)
soll Träger einer »Bundesinitiative Erneuerbare Energien weltweit –
Global Renewable Network« werden und damit den Export entsprechender
Technologien insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländer
fördern. Dies sieht ein Antrag vor, den die Regierungskoalition dem
Bundestag vorlegen will und der von der Fraktion Bündnis 90 / Die
Grünen am 19. Februar bereits abgesegnet wurde.
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Siemens Solar Industries |
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Besonders
die Versorgung ländlicher Regionen soll die
»Bundesinitiative Erneuerbare Energien weltweit« voran
bringen. |
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Mit dem Antrag kommen die Abgeordneten einer seit langem erhobenen
Forderung der Solarbranche entgegen. Bereits Anfang der 90er Jahre hat
zum Beispiel der Bundesverband Solarenergie (BSE) seine Vorstellungen
in Sachen Exportförderung und Entwicklungspolitik definiert. Das
Problem ist im Kern seither gleich geblieben und schnell beschrieben,
sagt Winfried Hoffmann, BSE-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer von
RWE Solar: In den meisten Ländern der Welt »gibt es zwar Anwendungen
ohne Ende, aber kein Geld«. Es müssten deshalb Instrumente gefunden
werden, um Kapital von großen Finanzinstitutionen wie der Weltbank in
»Mikrokredite« umzuleiten, die kleinen Firmen oder privaten Haushalten
in den Entwicklungsländern den Kauf von Solar- und Windkraftanlagen
oder anderem Gerät ermöglichen. Dies werde noch zu oft als
unrealistisch abgetan – meist mit der Begründung, vergebene Kredite
würden nicht zurückgezahlt. Es gebe aber durchaus Beispiele, wie das
Engagement der Gramehn-Bank in Bangladesh, die das Gegenteil beweisen.
»Wichtig ist«, so Hoffmann, »dass man die lokalen Strukturen mit
einbindet.«
Jürgen Raach, Vertriebsleiter Photovoltaik beim Elektronik-Hersteller
Steca aus Memmingen, sieht gleichfalls Handlungsbedarf – allerdings
nicht nur bei Regierungen und Behörden: »Da, wo Solarenergie gebraucht
wird, stagniert der Markt.« Er erinnert an Untersuchungen der
Weltbank, denen zufolge Familien in Entwicklungsländern rund zehn
US-Dollar monatlich für Energie aufwenden – häufig ein Großteil ihres
Einkommens: »Diese zehn Dollar gilt es zu ernten.« Wer allerdings
diesen Markt bedienen wolle, der müsse die Lebensumstände seiner
Kunden schon recht genau kennen und »eigentlich auch soziales
Engagement mitbringen«.
Die rot-grüne Koalition setzt in ihrem Antrag auf eine Vernetzung von
Entwicklungshilfe-Institutionen, etwa der Gesellschaft für technische
Zusammenarbeit (GTZ), mit Geldgebern wie der Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) und der Privatwirtschaft. »Know how-Transfer«
lautet ein weiteres, zentrales Stichwort: Wissen über die
Marktbedingungen soll – zum Beispiel über die Botschaften – nach
Deutschland gelangen, Informationen über erneuerbare Energien und ihre
Anwendungen an die Partnerländer vermittelt werden. Derlei
Dienstleistungen hält Jürgen Raach für wenig angebracht. Schließlich
sei der Markt groß genug, allein in Afrika wird das Potenzial für
Photovoltaik-Anwendungen auf 3.000 Megawatt geschätzt, davon 80
Prozent in Inselsystemen zur Haushaltsversorgung. Er halte nichts
davon, die Anbieter »auch noch auf Samthandschuhen dahin zu tragen«.
Wie Hoffmann sieht auch er den besten Ansatz bei Finanzierungshilfen
und handhabbaren Systemen für die Anwender: »Was wir brauchen, ist ein
Zehn-Millionen-Hütten-Programm.«
Die dena soll im Rahmen der Exportinitiative als »Kompetenzzentrum und
Informationsbroker« fungieren. Ein Finanzrahmen wird für das Projekt
nicht benannt; stattdessen begrüßen es die Abgeordneten, dass das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit inzwischen über
einen Etat zur Förderung kleinteiliger Energieprojekte verfügt.
Passend hierzu gab Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul Mitte Februar
die Bereitstellung von 10,2 Millionen Euro für dezentrale
Photovoltaikanlagen in den chinesischen Provinzen Xinjiang und Yunnan
bekannt.
Jochen Siemer
© PHOTON, 20. Februar 2002
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
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