
Dänemark kippt
Programme zur Förderung erneuerbarer Energien: Ist eine ähnliche
Entwicklung in Deutschland zu befürchten?
Die neue dänische
Regierung streicht die Fördermittel für erneuerbare Energien.
Betroffen ist vor allem die Windkraft, aber die Photovoltaik muss
gleichfalls Einschnitte hinnehmen. Änderungen in der Energiepolitik
kündigt die jetzige Opposition nach einem möglichen Regierungswechsel
auch für Deutschland an - wenn auch weniger drastisch.
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Folkecenter for Renewable Energy |
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Preben
Maegaard, Direktor des dänischen Folkecenter for
Renewable Energy, hält die Kürzungen seiner Regierung
für ein »Massaker«. |
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Eine Kürzung der Fördermittel für er-
neuerbare Energien ist in Deutschland »nicht so einfach wie in
Dänemark«, sagt Hermann Scheer, Bundestagsabgeordneter der SPD und
Präsident von Eurosolar. Er sieht das Nachbarland jedoch als
»warnendes Beispiel«, denn gesetzliche Rahmenbedingungen und
Förderungen könnten schließlich auch in Deutschland wieder geändert
werden. Die CDU sei aber nicht wie die FDP, und »höchstens die FDP«
ähnele den dänischen Regierungsparteien. In Kopenhagen dominiere
dagegen ein »neoliberaler Radikalismus« die Politik.
Walter Hirche, energiepolitischer Sprecher und stellvertretender
Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, denkt auch tatsächlich über
Kürzungen bei den regenerativen Energien nach. Die dänische Methode
hält er zwar für »sehr rabiat«, doch will er erneuerbare Energien nur
in einer Anfangsphase von etwa zehn bis 15 Jahren subventionieren.
»Was dann nicht marktfähig ist, muss sich verdrängen lassen«, so
Hirche.
Am 29. Januar hatte die im November 2001 gewählte dänische Regierung
aus Liberalen und Konservativen ihren Haushaltsentwurf präsentiert, in
dem alle Forschungs- und Entwicklungsprogramme sowie die finanzielle
Unterstützung für erneuerbare Energien gestrichen werden. Der
offiziellen Begründung, die dabei eingesparten rund 20 Millionen Euro
sollten künftig für Krankenhäuser und Senioren bereit stehen, schenkt
zumindest Preben Maegaard keinen Glauben. Nach Ansicht des Direktors
am »Folkecenter for Renewable Energy« und Vizepräsidenten von
Eurosolar Dänemark wurde die Regierung von den großen
Energieversorgungsunternehmen zu den Einschnitten gedrängt. »Die
erneuerbaren Energien waren zu erfolgreich« und sollten wieder vom
Markt. Er nennt den Förder-Kahlschlag ein »Massaker«.
Bevor er ein abschließendes Urteil über das Treiben im Nachbarland
abgibt, möchte Kurt-Dieter Grill erst »die Hintergründe für diesen
drastischen Schritt« überprüfen. Der Berichterstatter für
Energiepolitik der CDU/CSU-Fraktion findet die Vergütung in
Deutschland zwar »an manchen Stellen zu hoch«, hält jedoch »eine
Politik des totalen Abbruchs« für falsch: »Von Hundert auf Null ist
nicht erträglich«, sagt er, »so eine Politik würde selbst ich mir
nicht wünschen.« Der politische Gegner scheint ihm das indes nicht zu
glauben: Das »Ende der Energiewende« prophezeit Axel Berg,
SPD-Fraktionssprecher in der Energie-Enquete-Kommission des
Bundestages, für den Fall des Regierungswechsels: »Selbst das EEG
könnten Union und FDP mit Bundestagsmehrheit novellieren« und
Vergütungssätze »drastisch verschlechtern«.
In diesen Tagen berät das dänische Parlament über das Budget. Der
Direktor der Danish Energy Association, Jens Windeleff, rechnet damit,
dass auch Proteste die Kürzungen nicht mehr verhindern können. Hermann
Scheer versuchte es trotzdem: Im Februar hatte er bereits einen der
vielen Protestbriefe an die dänische Regierung geschickt, zu denen das
Folkecenter aufgerufen hatte, und auch an Demonstrationen in
Kopenhagen will er sich beteiligen.
Wird der Entwurf genehmigt, beendet dies alle nationalen
Förderprogramme mit Wirkung zum ersten Januar. Dazu gehören
Photovoltaik, Solarthermie, Biogas, Biomasse, Wasserstoff und
Wellenenergie. Auch die dänischen Offshore-Windparks sind betroffen.
Im Budget des Folkecenters fehlt künftig rund eine Million Euro pro
Jahr, die Organisation muss 15 Mitarbeiter entlassen. Ihren Angaben
zufolge fallen allein für Entwicklung und Demonstrationsprojekte im
Bereich der gebäudeintegrierten Photovoltaik Fördermittel in Höhe von
rund 1,3 Millionen Euro weg. Neue Technologien für erneuerbare
Energien sollten in diesem Jahr ursprünglich 4,3 Millionen Euro
erhalten, für ihre Anwendung waren 12,5 Millionen Euro eingeplant:
Auch diese Mittel werden gestrichen.
Hermann Scheer macht für das drohende Debakel auch die alte Regierung
verantwortlich. Es sei ein schwerer Fehler gewesen, vor zwei Jahren
von der Mindesteinspeisevergütung zu einem Quotenmodell zu wechseln:
»Das hat die ganze Szene geschwächt.« Damit sei der jetzigen Regierung
die Kürzung der Fördermittel erleichtert worden. Für die CDU stellt
Kurt-Dieter Grill nur trocken fest: »Das Musterbeispiel Dänemark
entschwindet.«
Iris Krampitz
© PHOTON, 15. Februar 2002
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
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