
Schüler errichten solarbetriebene Pumpen in Nicaragua
14.10.2003: Der Physik-Ergänzungskurs der Gesamtschule Blankenese reiste im Frühjahr nach Nicaragua, um dort solarbetriebene Pumpen für zwei Bauernhöfe zu installieren. Dafür wurden sie am 14. Oktober im Rahmen des Wettbewerbs
»Schule macht Zukunft« mit dem Sonderpreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet. Die Schüler berichten von ihrer Reise.
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Clemens Krühler |
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Photovoltaik für die Landwirtschaft: In Nicaragua errichteten Schüler der Gesamtschule Blankenese gemeinsam mit nicaraguanischen Studenten Solarpumpen für zwei Bauernhöfe. |
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Jedes Jahr findet an unserer Schule für den elften Jahrgang ein Physik-Ergänzungskurs statt, der sich mit regenerativen Energien beschäftigt und immer anwendungsbezogen arbeitet. Bereits im Mai 2002 hatte unser Vorgängerkurs zusammen mit Wissenschaftlern und Studenten der Universität von Nicaragua (UNAN) ein solargestütztes Pumpsystem als Demonstrations- und Versuchsanlage aufgebaut. Wir wollten nun ebenfalls dorthin, um solarbetriebene Pumpen auf zwei Bauernhöfen zu installieren. Denn das Projekt hörte sich nicht nach langweiligen Physikaufgaben an. Es wurde das schönste in unserem Schülerleben.
Seit Jahren beobachten sowohl Wissenschaftler der UNAN als auch die Bauern an der Pazifikküste eine dramatische Verkürzung der Regenzeit, die in manchen Jahren von sechs auf drei Monate schrumpft. Diese Beobachtung deckt sich mit den Untersuchungen des englischen Hadley Centre for Climate Prediction and Research, das für Mittelamerika eine drastische Verringerung der jährlichen Niederschlagsmengen prognostiziert hat. In manchen Gegenden wird dort im Verlauf dieses Jahrhunderts eine Reduzierung des Niederschlags um zwei Millimeter pro Tag erwartet. Auf das Jahr gerechnet, sind das mehr als 700 Millimeter, was fast der absoluten Menge an Niederschlag in einigen Gegenden Mitteleuropas entspricht
– für Hamburg sind es beispielsweise 768 Millimeter im Jahr. Für die Landwirtschaft in Nicaragua sind das düstere Aussichten. Hier wird die künstliche Bewässerung zur Überlebensfrage.
Während unserer siebenmonatigen Vorbereitungszeit lernten wir im Unterricht viel über Photovoltaik, Elektro- und Pumptechnik. Wir testeten zwei Pumpen auf unserem Schulgelände, die wir in Nicaragua installieren wollten. Dabei handelte es sich zum einen um eine moderne Tauchpumpe der dänischen Firma Grundfos, zum anderen um die motorgetriebene Handpumpe SBF-INKAR der Firma Böse, die bei Ausfall des Motors oder der solaren Stromversorgung auch per Hand betrieben werden kann. Während die Tauchpumpe über einen 0,5-Kilowatt-Solargenerator verfügt, wird die Handpumpe von einem 200-Watt-Modul mit Strom versorgt.
Anfang März verpackten wir die Pumpen mit den dazugehörigen Solargeneratoren und schickten das Material per Schiff nach Nicaragua. Mitte Mai begann die Reise für uns. Der 18-stündige Flug nach Managua und die anschließende zweistündige Busfahrt nach Leon waren sehr anstrengend. Als wir endlich im Studentenwohnheim in Leon angekommen waren, fielen wir völlig erschöpft ins Bett. Doch wir nahmen das mit Gelassenheit, denn wir freuten uns sehr auf die Arbeit. Leider hatten wir Probleme mit dem Zoll, denn bei unser Ankunft lag unsere Ausrüstung noch immer in Costa Rica fest. Wir brauchten Tage, damit die Fracht nach Nicaragua geschafft wurde.
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© Clemens Krühler |
| Generalprobe: Bevor die Schüler und Studenten ihre Solarpumpe auf dem Bauernhof errichteten, wurde sie zunächst probehalber aufgebaut. |
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So verbrachten wir die erste Zeit unseres Aufenthalts zunächst mit der Kontrolle der Pumpe, die unser Vorgängerkurs ein Jahr zuvor auf dem Gelände der Universität aufgebaut hatte. Außerdem besuchten wir zusammen mit einer Studentengruppe des Agrikulturinstituts der Universität Vorträge und Seminare, die von unserem Lehrer und einem nicaraguanischen Ingenieur organisiert worden waren. Als endlich die ersten Kisten entzollt werden konnten, wurde ein Probeaufbau und -abbau der Handpumpe mit nicaraguanischen Studenten möglich. Mit unserem Schulspanisch, einem Wörterbuch sowie mit Händen und Füßen erklärten wir den nicaraguanischen Studenten die Funktion und den Aufbau der Pumpe. Mit jedem Tag wurde die Verständigung besser und die Zusammenarbeit war eine große Freude.
Als alle Teile der Handpumpe den Zoll passiert hatten, konnten wir endlich mit den Studenten die Arbeit auf dem ersten Bauernhof beginnen, der mit Hilfe der Pumpe seine kleine Bananenplantage und sein Gemüsefeld bewässern wollte. Wir bauten einen fünf Meter hohen Tank, der vier Quadratmeter fasst, damit die Bewässerung jederzeit unabhängig von der solaren Einstrahlung durchgeführt werden kann. Für den Bauern ist diese Möglichkeit zur Feldbewässerung ein enormer Fortschritt. Drei Ernten pro Jahr werden nun möglich sein. Bislang hatte er Mühe, in Folge der lang andauernden Trockenzeit zumindest eine Ernte im Jahr zu erzielen.
Das zweite System konnten wir leider nicht mehr vollständig installieren
– der Zoll hatte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir bauten die Tauchpumpe in den vorhandenen Brunnen ein. Das Tropfbewässerungssystem und der Solargenerator lagen bei unserer Abreise jedoch noch immer in der Zollhalle von Managua. Deshalb flog unser Lehrer während der Sommerferien noch einmal nach Nicaragua und stellte die Installation auf dem zweiten Bauernhof gemeinsam mit den Studenten der UNAN fertig.
Doch nicht nur die Arbeitszeit verbrachten wir mit den nicaraguanischen Studenten. In unserer Freizeit spielten wir zusammen Volleyball und badeten im Pazifik. Die Zusammenarbeit brachte uns allen sehr viel Spaß, bessere Spanischkenntnisse und viel Wissen über die Geschichte und die aktuellen Probleme eines Entwicklungslandes in Zentralamerika. Das Arbeiten in einem so warmen und ungewohnten Klima war zwar anstrengend. Doch als wir fertig waren und unser Ergebnis stolz betrachteten, vergaßen wir schnell unseren Sonnenbrand und die Erschöpfung. Nach Abschluss des Projekts hatten wir neue Freunde gewonnen. Und auch der nächste Kurs wird nach Nicaragua fahren und unsere Arbeit fortsetzen. |
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