
Erneute Verzögerung beim
100.000-Dächer-Programm
Da das
Wirtschaftsministerium die vom Haushaltsausschuss beschlossenen
Konditionen noch nicht in eine Richtline umgesetzt hat, können
weiterhin keine Anträge bewilligt werden.
Zwar stehen die
neuen Konditionen für das 100.000-Dächer-Programm seit dem 10. Mai
fest, doch die in der Pressemitteilung der Grünen am selben Tag
verbreitete Information, »Anträge werden ab sofort wieder
bearbeitet«, erwies sich als voreilig. Denn bisher (Stand: 24. Mai)
wurde keiner der insgesamt rund 10.000 auf Halde liegenden Anträge
bewilligt. Der Grund: Das Bundeswirtschaftsministerium hat die vom
Haushaltsausschuss beschlossenen Konditionen nicht in eine Richtlinie
umgesetzt.
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Solar Verlag
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Als
Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien im
Bundeswirtschaftsministerium ist Andreas Jung für die
Umsetzung der neuen Konditionen in eine verbindliche
Richtlinie verantwortlich. Diese soll jetzt »in
Kürze« im Bundesanzeiger veröffentlicht werde. |
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Hermann Scheer muss
es wie ein böser Traum vorgekommen sein: Nach zweimonatigem Tauziehen
um die neuen Konditionen des 100.000-Dächer-Programms konnte am 10.
Mai endlich ein Beschluss im Haushaltsausschuss herbeigeführt werden.
Noch dazu ein Beschluss, mit dem der Vater des Programms in jedem
Punkt zufrieden ist: Für Privatleute soll der Finanzierungsanteil des
Programms auch bei Inanspruchnahme des Erneuerbare-Energien-Gesetzes
auf 100 Prozent ausgeweitet werden (bisher war bei einer Vergütung
von 99 Pfennig pro Kilowattstunde nur eine Finanzierung von 55 Prozent
der Anlagenkosten möglich). Diese Regelung wird jedoch auf Anlagen
bis zu einer Größe von fünf Kilowatt beschränkt. »Wir machen das
ja nicht, damit hier manche einen Reibach machen können«, begründet
Scheer die Einschränkung auf kleinere Anlagen. Bei Anlagen über
fünf Kilowatt und generell Anlagen von kleinen und mittleren
Unternehmen (KMU) kann das Programm deshalb nur zu 50 Prozent in
Anspruch genommen werden. Die Zinsverbilligung beträgt weiterhin 4,5
Prozent; angesichts der Zinsentwicklung ist jedoch nicht mehr mit
einem garantierten Null-Zinssatz zu rechnen. Auch die Begrenzung der
förderfähigen Anlagenkosten auf 13.500 Mark je Kilowatt hält Scheer
für sinnvoll. Die von den Solarverbänden vorgeschlagenen 14.000 Mark
als Obergrenze waren ihm sogar noch zu viel. Der Restschuldenerlass
entfällt. Und dann erwies sich der komplette Beschluss als ungültig,
da der Antrag von der Koalition zu spät eingereicht worden war.
Formfehler kann
behoben werden
Dieser Formfehler
konnte eine Woche später im Haushaltsausschuss behoben werden, die
bereits am 10. Mai verabschiedeten Konditionen wurden bestätigt.
Diese Formalie erklärt zumindest, warum bis zum 17. Mai keine
Anträge bewilligt wurden. Nach einer weiteren Woche ist die
Richtlinie jedoch noch immer nicht vom Bundeswirtschaftsministerium
erstellt. Scheer möchte dazu keine Kommentar abgeben: »Ich muss mit
den Leuten ja noch reden können.« Das Bundeswirtschaftsministerium
ist ebenfalls zu keiner offiziellen Stellungnahme bereit.
Vermutlich hakt es
an zwei Stellen: Erstens ist die Behandlung der Anträge, die vor dem
31. März eingegangen sind und bisher nicht bewilligt wurden, immer
noch nicht abschließend geklärt. Hierzu haben sowohl die
Regierungsfraktionen als auch die Opposition einen Antrag für die
Sitzung des Haushaltsausschusses am 6. Juni eingereicht. Zwar sieht es
so aus, als würden die Anträge entgegen früherer Aussagen jetzt
doch nach den neuen Konditionen bewilligt, endgültig entschieden ist
dies aber noch nicht.
Finanzministerium
ignoriert Beschluss des Haushaltsausschusses
Zweitens hat der
Haushaltsausschuss zwar beschlossen, dass in diesem Jahr 50 Megawatt
bewilligt werden sollen und dass die Bundesregierung dafür die Mittel
bereit stellt. Dies ist jedoch noch nicht geschehen. Ein Treffen mit
Finanzminister Hans Eichel soll diesen Punkt in den nächsten Tagen
klären. Als ob man bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
diese Schwierigkeiten vorausgesehen hätte, bot deren Direktor Detlef
Leinberger dem Wirtschaftsministerium schon vor einiger Zeit eine
Zwischenfinanzierung an. Das Angebot wurde aber bisher vom
Wirtschaftsministerium nicht angenommen. Eine offizielle Begründung
dazu gibt es nicht. Bleibt die Vermutung, dass die Beamten im
Wirtschaftsministerium vorher noch die Zusage des Finanzministers
abwarten wollen, dass das von der KfW vorgestreckte Geld dann auch
tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt übernommen wird. Eine
solche Zusage fehlt nämlich bisher ebenfalls. Somit wird der
Beschluss des Haushaltsausschusses vom 10. beziehungsweise 17. Mai
schlicht ignoriert: nämlich das Programm von sechs auf fünf Jahre zu
verkürzen und die Mittel des letzten Jahres auf die übrigen fünf
aufzuteilen. Hierdurch müssten in diesem Jahr zusätzlich zu den 180
Millionen Mark, die bisher im Haushalt vorgesehen und von denen
bereits 163 Millionen vergeben sind, noch weitere 40 Millionen zur
Verfügung gestellt werden.
Mit diesem
zusätzlichen Geld soll es dann möglich sein, zusätzlich zu den
bisher in diesem Jahr bereits bewilligten 30 Megawatt noch rund 20
weitere Megawatt zu genehmigen. Was mit den darüber hinaus gehenden
Anträgen geschieht, ist bisher ebenfalls nicht geklärt. Bei den
Grünen hofft man schlicht, »dass nicht alle Anträge in
Installationen münden«. Und verspricht aber auch: »Alle noch nicht
bewilligten Anträge erhalten Mittel.«
Ungeachtet der
Unsicherheiten gehen immer noch täglich 50 bis 100 Anträge bei der
Kreditanstalt für Wiederaufbau ein. Das Bundeswirtschaftsministerium
hat inzwischen gegenüber PHOTON in Aussicht gestellt, die Richtlinie
auch ohne eine Bereitstellung der fehlenden Mittel durch das
Finanzministerium »in Kürze« zu veröffentlichen. Was »in Kürze«
bedeutet, bleibt aber unklar: Die am 10. Mai gemachte Zusage, die
neuen Konditionen »zügig« in eine Richtlinie umzusetzen, damit die
KfW ihre Zusagetätigkeit »so schnell wie möglich« wieder aufnehmen
kann, hat bisher eine Dauer von zwei Wochen bedeutet.
Der
Beschluß im Haushaltsausschuß vom 10. Mai
Anne
Kreutzmann
© PHOTON, 5. Juli 2000
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags
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