PHOTON-Umfrage stößt auf hohe Resonanz 

Wie soll es weitergehen mit dem 100.000-Dächer-Programm?

PHOTON befragte 578 Solarinstallateure zum Chaos beim 100.000-Dächer-Programm. Innerhalb kürzester Zeit hatten 312 Firmen geantwortet; später kamen noch etwa 100 weitere hinzu, die leider nicht mehr in die Auswertung einbezogen werden konnten, weil der Drucktermin des Heftes unmittelbar bevor stand. Von den 312 ausgewerteten Antworten waren 298 eindeutig, 23 enthielten mehrdeutige Darstellungen und wurden nicht berücksichtigt. Die hohe Rücklaufquote von etwa 70 Prozent zeigt die Brisanz des Themas. Zahlreiche Installateure haben sich zusätzlich zum Ausfüllen des Fragebogens noch die Zeit genommen, ihre persönliche Situation zu schildern. Oft war hier die Angst zu spüren, dass sicher geglaubte Aufträge, für die zum Teil erhebliche Vorarbeiten geleistet wurden, jetzt platzen könnten, und es wie in früheren Jahren ein Stop&Go-Förderprogramm geben würde.

Die befürchteten Folgen reichen von finanziellen Verlusten über Mitarbeiterentlassungen bis hin zum drohenden Konkurs. Der von den Installateuren genannte Schaden für den Fall, dass die noch offenen Kreditanträge abgelehnt würden, beziffert sich auf insgesamt 39,8 Millionen Mark. Dabei hatten wir ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die etwaige Nennung einer Schadenssumme freiwillig sei, da selbstverständlich kaum eine Firma gern hohe Verluste zugibt. Trotzdem haben rund ein Drittel diese Möglichkeit genutzt.

 

Die Ergebnisse

1. Ist durch die große Zahl der Anfragen eine abträgliche Entwicklung für die breite Markteinführung der Photovoltaik zu befürchten?

Ja: 14,8 %, 
Nein: 80,9 %,
keine Meinung: 4,3 %

 

2. Auch etwa 10.000 Anträge, die vor dem 31. März 2000 bei der KfW eingegangen sind, werden derzeit nicht weiter bearbeitet. Entsteht Ihnen hierdurch ein Schaden?

Ja, wir haben für sicher geglaubte Aufträge bereits Material bestellt oder Vorarbeiten geleistet: 82,5 %
Nein: 17,5 %

 

3. Die Bundesregierung plant – im Gegensatz zur bisherigen Ausgestaltung des 100.000-Dächer-Programms – eine Begrenzung der jährlich zu bewilligenden Kredite einzuführen. Demnach würden dieses und nächstes Jahr nicht mehr als 35 MW pro Jahr finanziert werden.

a) Dient der Verstetigung des Marktes, meinten: 14,0 %

b) Bremst künstlich das Wachstum des Marktes, meinten: 86,0 %

 

4. Wie könnte eine Lösung aussehen?

a) Das für das Programm vorgesehene Geld jetzt komplett bereitstellen und in Kauf nehmen, dass das Programm schon in zwei bis drei Jahren statt erst in sechs Jahren ausgeschöpft ist, meinten: 60,1 %

b) Das Programm abschaffen und die Vergütung anheben, meinten: 37,4 %

c) Das Programm abschaffen und unter der Hoffnung auf sinkende Anlagenkosten mit der bisherigen Vergütung weitermachen, meinten: 2,5 %

 

Bei der letzten Frage hatten wir zudem noch um weitere Ideen gebeten. Hier eine Auswahl:

  • »Auf jeden Fall Anlagengröße begrenzen, denn der Staat ist nicht für die Finanzierung von Anlagenspekulationen der Großverdiener verantwortlich. Außerdem ist bei solchen Projekten auch die Abneigung der EVU zu verstehen, die nicht einsehen, dass über die von ihnen gezahlten 99 Pfennig andere ihren Gewinn erzielen.«

  • »Das vorgesehene Geld komplett bereitstellen und nach Ausschöpfung der Mittel die Einspeisevergütung langsamer als geplant zurücknehmen.«

  • »Anlagengröße begrenzen (z.B. 10 kW) und Kontingente nach Länderschlüssel verteilen.«

  • »100 % Kredit, 4-5 % unter Marktzins ohne Restschuldenerlass.«

  • »Das Programm abschaffen und die Vergütung anheben, da das 100.000-Dächer-Programm zu kompliziert in der Durchführung ist.«

  • »Mehr Geld aus dem Ökosteueraufkommen bereitstellen.«

  • »Das für das Programm vorgesehene Geld jetzt komplett bereitstellen und zusätzliche Mittel für später bereitstellen. Man kann kein Förderprogramm initiieren und dann vor dem Erfolg kapitulieren.«

 

Aus den Antworten lässt sich resümieren: Die große Zahl an Anfragen wurde von kaum einem Betrieb als Bedrohung wahrgenommen, der Stopp des Programms jedoch sehr wohl. Die – nach der Umfrage – von den Grünen veröffentlichte Pressemitteilung dürfte deshalb kaum auf Verständnis stoßen. Darin begründet Markus Kurdziel, wissenschaftlicher Koordinator des Arbeitskreises Umwelt bei den Grünen, den Stopp der Antragsbearbeitung noch einmal mit der Unfähigkeit der Hersteller, die Aufträge zu bearbeiten: »Mit dem vorübergehenden Stopp der Antragsbearbeitung bei der KfW soll verhindert werden, dass das Programm Opfer seines eigenen Erfolges wird. Hersteller wie Installateure sind derzeit über alle Maßen ausgelastet, inländische Produktionskapazitäten bis zum Jahresende ausverkauft, Handwerker ausgebucht. Die Folgen einer unveränderten Fortsetzung des Programmes wären unkalkulierbare Haushaltsrisiken.« Diese Befürchtung wird durch 80 Prozent der befragten Installateure nicht geteilt. Zwar wurde von zahlreichen Installateuren die Modulverknappung bemängelt, die jedoch nicht als dauerhafter Zustand, sondern als vorübergehende Auswirkung des Ansturms im März gesehen wird.

Den Wunsch, das Programm nur für die inländischen Hersteller zugänglich zu machen, teilen mit Kurdziel nur wenige Installateure. Und das ist auch gut so. Denn erstens steht vor solch einem Ansinnen das europäische Wettbewerbsrecht, und zweitens ist ein japanisches Solarmodul unter ökologischen Gesichtspunkte auch nicht schlechter als ein in Deutschland hergestelltes. Und die zusätzlichen Arbeitsplätze, die durch Planung und Montage geschaffen werden, entstehen fast ausschließlich bei inländischen Firmen. So ist wohl auch das Ergebnis der Befragung zu verstehen, dass unabhängig von der Lieferfähigkeit der deutschen Modulindustrie fast unisono eine Aufstockung der für dieses Jahr im Haushalt vorgesehenen Mittel gewünscht wird.

Anne Kreutzmann
© PHOTON, 25. April 2000
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