
Erste Ergebnisse: Erfahrungsbericht des
Bundeswirtschaftsministeriums zum EEG
Spätestens zum 30. Juni muss das
Bundeswirtschaftsministerium einen Bericht über die Auswirkungen des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorlegen. Doch da bereits in den nächsten
Monaten das Gesetz novelliert werden soll, haben die mit dem
Erfahrungsbericht beauftragten Institute bereits Mitte Februar auf einer
von Eurosolar veranstalteten Fachtagung erste Ergebnisse vorgelegt.
Danach sind die Kosten für Photovoltaikanlagen im ersten Jahr nach
Inkrafttreten des EEG um 8,1 Prozent gefallen.
Nach Paragraf zwölf
des Erneuerbare-En-
ergien-Gesetzes hat das Bundeswirtschaftsministerium bis zum 30. Juni
jedes zweiten auf das Inkrafttreten folgende Jahr einen Bericht über
die Auswirkungen des Gesetzes abzugeben. Informiert werden soll der
Deutsche Bundestag insbesondere über den Stand der Markteinführung und
der Kostenentwicklung der über das EEG geförderten Anlagen. Darüber
hinaus sieht das Gesetz vor, »gegebenenfalls zum 1. Januar des jeweils
übernächsten Jahres eine Anpassung der Höhe der Vergütung
vorzuschlagen«. Das Gesetz trat vor zwei Jahren in Kraft, der erste
Bericht wäre also Mitte dieses Jahres fällig. Dass schon rund vier
Monate vorher Ergebnisse vorliegen, liegt in erster Linie am Wunsch
einiger Bundestagsmitglieder, eine Gesetzesnovelle noch vor der
Sommerpause zu verabschieden.
Beauftragt wurden mit der Beobachtung der Auswirkungen des Gesetzes
zwei wissenschaftliche Institute: Das Institut für Solare
Energieversorgungstechnik (ISET) der Universität Kassel ist zuständig
für die Bereiche Wind- und Wasserkraft, das Berliner Institut für
ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) kümmert sich um Photovoltaik,
Bioenergie, Gruben-, Deponie- und Klärgas sowie Geothermie. Die vorab
auf der Eurosolar-Tagung »Das Erneuerbare Energien Gesetz –
Zwischenbilanz und Perspektiven« am 17. Februar vorgestellten
Ergebnisse sind allerdings eher vorläufig: »Die Daten sind erhoben –
die Deutung hat sich jedoch der Auftraggeber vorbehalten«, erklärt der
am IÖW für den Bereich Photovoltaik zuständige Mitarbeiter Bernd
Hirschl.
Die von ihm vorgestellte Markt- und Kostenanalyse umfasst drei
Untersuchungsziele: Marktentwicklung, Kostenentwicklung und
Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen.
Marktentwicklung
Zur Marktentwicklung hatte Hirschl Erfreuliches zu berichten. Während
im letzten Jahr die Produktionskapazität der heimischen
Solarmodulhersteller dem durch das EEG geschürten Bedarf von rund 70
Megawatt entsprach, wird die Kapazität dieses Jahr mit 100 Megawatt
die geschätzte Nachfrage von 80 Megawatt bereits übertreffen. Ein
Trend, der im nächsten Jahr noch deutlicher wird: Denn dann, so
Hirschl, werden deutsche Modulhersteller fast 300 Megawatt produzieren
können, während der heimische Markt nur etwa ein Drittel davon
aufnehmen kann. Fazit: Deutschland wird dank EEG ab 2003 in punkto
Modulen zum Exportland. Der Umsatz der Branche lag 2001 bei mindestens
400 Millionen Euro, die Beschäftigtenzahl zwischen 4.800 und 5.600.
Außerdem sei das »hohe Interesse großer weltweit aktiver
Solarunternehmen« am deutschen Markt positiv hervorzuheben.
Hirschl ging in seinem Vortrag auch auf die durch das EEG ausgelösten
strukturellen Marktveränderungen ein. Es habe zwar ein »massiver
Kapazitätsausbau« stattgefunden, dieser würden jedoch nicht
ausgenutzt, was auf mangelnde Produktqualität und Prozessstabilität
zurückzuführen sein könnte. Daneben machte Hirschl eine Zunahme bei
Neugründungen, Zusammenschlüssen und Übernahmen sowie Börsengängen
aus.
Kostenentwicklung
Das Thema Kostenentwicklung ist der wohl sensibelste Bereich der
Analyse. Und so ging ein Aufatmen durch den Raum, als Hirschl das
Erreichen der im EEG vorgesehenen Preisreduktion von fünf Prozent pro
Jahr verkündete. Mehr noch: Die Kosten für Solarstromanlagen sei
zwischen 1999 und 2000 sogar um 8,1 Prozent gesunken, das EEG damit
genau genommen übererfüllt. Zwar hätte »die Degression bisheriger
Lernkurven« bei Solarmodulen nicht erreicht werden können, dies sei
jedoch zumindest teilweise auf den in 2000 besonders hohen Dollarkurs
sowie hohe Investitionskosten auf Grund des Kapazitätsaufbaus
zurückzuführen.
Eine besonders deutliche Kostenreduktion hat im Bereich der
Arbeitskosten stattgefunden, die zwischen 1999 und 2000 um ein Viertel
zurückgingen. Auch die Preise für Wechselrichter sanken um beachtliche
elf Prozent. Die geringste Reduktion stellte Hirschl bei den
Solarmodulen fest. In 2000 seien diese Komponenten gerade mal 2,7
Prozent preiswerter als im Vorjahr gewesen.
Wirtschaftlichkeit
Bezüglich der Stromgestehungskosten kommt Hirschl zu folgendem
Ergebnis: Diese waren in 2000 rückläufig und werden es vermutlich auch
in 2001 sein. »Allerdings erreichen sie auch mit der EEG-Vergütung und
dem 100.000-Dächer-Programm durchschnittlich nicht die
Wirtschaftlichkeitsgrenze.« Eine wichtige Ursache hierfür seien die
Stromerträge der Anlagen: Sie waren schlechter als angenommen. Bei
einer weiteren Kostendegression könne im Jahr 2003 jedoch mit einem
wirtschaftlichen Betrieb von Solarstromanlagen gerechnet werden.
Allerdings würde zu diesem Zeitpunkt das 100.000-Dächer-Programm
auslaufen, und damit gäbe es »unmittelbar nach Erreichen der
Wirtschaftlichkeitsgrenze wieder einen Sprung zurück auf das Niveau
von 2000 – unter der Annahme, dass das EEG unverändert fortgeführt
wird«.
Wer sich aufschlussreiche neue Zahlen von der ȟberwiegend
empirisch-analytischen« (Hirschl) Marktanalyse erhoffte, sah sich
enttäuscht. Denn die von Hirschl in Bonn vorgestellten Ergebnisse
beruhen in erster Linie auf den bereits vor einem halben Jahr
veröffentlichten Daten der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Diese
stellte eine Preisreduktion um 7,9 Prozent bei privat und um 10,7
Prozent bei gewerblich betriebenen Solarstromanlagen fest. Die
gedankliche Leistung des IÖW liegt in erster Linie darin, die im
Datenmaterial der KfW vorhandene Vermischung von Brutto- und
Nettopreisen zu bereinigen, wodurch das IÖW im Durchschnitt zu einer
etwas geringeren Preisreduktion als die KfW kommt.
Doch eine Enttäuschung wäre unter politischen Aspekten fehl am Platze.
Denn Hirschl kommt schließlich zu dem Ergebnis, dass die im EEG
vorgesehene Kostenreduktion tatsächlich erreicht wurde. Und das wird
auch Dienstherr Bundeswirtschaftsminister Müller kaum mehr
wegdiskutieren können. Auch, wenn derzeit, wie Hirschl betont, »noch
einige Parametervariationen durchgeführt werden müssen«.
Anne
Kreutzmann
© PHOTON, 19. Februar 2002
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