
Kleine Lösung: Bei der Novellierung des
EEG will man sich auf die wichtigsten Punkte beschränken
Die weitere Entwicklung des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll zweistufig vorangehen. Noch im
Mai will man in einer »kleinen Novelle« die wichtigsten Schwachstellen
beheben. Dazu zählt auch die ersatzlose Streichung des
350-Megawatt-Deckels bei der Photovoltaik. Die Anpassung der
Vergütungshöhen wird vermutlich erst in einer späteren Überarbeitung
Anfang 2004 erfolgen.
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© Solar
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Feiern
ihren Erfolg: Bundesumweltminister Trittin und Michaele
Hustedt auf der Veranstaltung zum zweijährigen Bestehen
des EEG in Berlin. Doch ausgerechnet Trittin sperrt sich
derzeit gegen eine kurzfristige Streichung des
350-Megawatt-Deckels. |
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Die Solarbranche ist
nervös. Dabei ist kaum ein Hersteller von Solarmodulen und schon gar
nicht der praktizierende Solarinstallateur darüber informiert, was
genau in den nächsten Wochen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im
Rahmen einer »kleinen Novelle« geändert werden soll. Bekannt ist
lediglich, dass einige Mitglieder der rot-grünen Regierung noch vor
der Sommerpause die offensichtlichen Schwachstellen ihres »wohlgeratensten, schönsten Kindes« (Michaele Hustedt) beseitigen
möchten.
Ganz oben auf der Liste: die Abschaffung des 350-Megawatt-Deckels bei
der Photovoltaik, die eine Vergütungspflicht für neue Anlagen nur bis
zum Erreichen dieser Leistung vorsieht. Bereits am 19. April soll ein
Spitzengespräch stattfinden, an dem sich die Energie- und
Umweltexperten der Parteien mit Wirtschaftsminister Werner Müller und
dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck zusammensetzten. Dabei ist
zu entscheiden, «welche Punkte im Einzelnen noch vor der Sommerpause
geändert werden können«, so Heiko Stubner, wissenschaftlicher
Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer.
Nach Einschätzung von Michaele Hustedt, energiepolitische Sprecherin
bei Bündnis 90 / Die Grünen, sei »voraussichtlich im Mai« alles
erledigt. Ob die »kleine Novelle«, wie sie bei den Verbänden intern
genannt wird, tatsächlich noch vor der Sommerpause zu schaffen ist,
hängt vom Zeitplan einer anderen Gesetzesnovelle ab, nämlich der des
Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Da bei dieser Novelle die erste
Lesung schon erfolgte, wäre die schnellste Möglichkeit - und
Schnelligkeit ist der entscheidende Faktor -, sich im Rahmen eines so
genannten Artikelgesetzes an das Gesetzesvorhaben anzuhängen. Hierbei
könnten dann die »absolut unstrittigen Dinge«, so Michaele Hustedt,
noch vor der Wahl geändert werden. Die Möglichkeit, das EEG direkt zu
ändern wird von den meisten in den Prozess eingebundenen Politikern
wie Hermann Scheer und Hans-Josef Fell eher nicht mehr in Erwägung
gezogen.
Der wohl prominenteste Gegner einer Änderung des EEG noch vor der
Sommerpause ist Bundesumweltminister Jürgen Trittin. In einem Gespräch
mit PHOTON während der von den Grünen organisierten Feierlichkeiten
zum zweijährigen Bestehen des EEG am 27. März vertrat er die Ansicht,
dass »übereilte Änderungen am EEG« politisch vollkommen verkehrt
seien. Eine Novellierung noch vor der Wahl lehnte der Spitzenpolitiker
sogar strikt ab: »Auf keinen Fall!« Seine Gründe: »Leute, die dabei
etwas zu verlieren haben«, würden die Situation für Angriffe auf
erneuerbare Energien insgesamt im Wahlkampf nutzen; diejenigen, die
etwas zu gewinnen haben, würden ihr Gesetz aber wohl nicht
uneingeschränkt unterstützen, sondern ihre Kritik an einzelnen Punkten
anbringen. Das EEG werde »in 2003 überprüft, und dann wird diese
Regierung das machen«. Ein außerplanmäßiges Vorziehen der Novelle, so
Trittin offen, »würde ja auch heißen, dass wir die Wahl schon verloren
geben«. Trittins Auffassung ist in der Fraktion umstritten, was er
auch weiß. Mit dem Fraktionsvorsitzenden sei er sich aber einig.
Hans-Josef Fell kennt Trittins Bedenken, teilt sie jedoch nicht: »Sie
sind Bedenken rein politischer Natur. Ich sehe die Chancen für eine
Novelle noch vor der Sommerpause weiterhin gut.« Und auch Hermann
Scheer ist sicher, dass Trittin seine Meinung noch kurzfristig ändern
wird, da Befürchtungen über öffentlich geführte Streitereien zwischen
den Verbänden für erneuerbaren Energien jeglicher Grundlage
entbehrten. Die geplanten Optimierungen seien unter den Verbänden
unstrittig, die Branche verhalte sich diszipliniert. Scheer will die
Novellierung deshalb »auf jeden Fall« vor der Sommerpause versuchen
abzuschließen. Denn erst dann hätte die Solarindustrie die dringend
benötigte Investitionssicherheit. Kein Wunder also, dass derzeit
manche nervös sind.
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