BMU-Studie: Ausbau erneuerbarer Energien im Einklang mit Naturschutz

24.03.2004: Eine im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellte Studie kommt zu dem Schluss, dass der Ausbau der regenerativen Energien ein großes Potenzial für die CO2-Minderung bietet, dabei im Einklang mit dem Naturschutz steht und auch ökonomisch sinnvoll ist. 

Das Werk mit dem Titel »Ökologisch optimierter Ausbau der erneuerbaren Energien« wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dem Institut für Energie- und Umweltforschung sowie dem Wuppertal Institut für Klima, Energie, Umwelt in dreijähriger Arbeit erstellt. Die Langfassung wird am 12. Mai im Rahmen einer Fachtagung in Berlin vorgestellt.

Bis zum Jahre 2050 können 65 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland und 50 Prozent des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, so das Fazit der Experten. Verglichen mit dem Jahr 2000 wären die Kohlendioxidemissionen auf nur noch ein Viertel geschrumpft. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssten die entscheidenden Investitionen für den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2020 getätigt werden. 

Mit Hilfe eines Rechenmodells ermittelten die Wissenschaftler, dass die Stromgestehungskosten eines regenerativen Energiemixes schon in rund 15 Jahren auf unter sieben Cent pro Kilowattstunde sinken und damit mit der konventionellen Energiegewinnung konkurrieren könnten. Speziell die Photovoltaik benötige aber auch auf längere Sicht noch eine substanzielle finanzielle Unterstützung. Dann könnte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zum reinen Förderinstrument für Sonnenstrom werden. 

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in großem Maßstab lässt sich mit dem Naturschutz vereinbaren, was in der Studie für die verschiedenen Energiequellen wie zum Beispiel Wind und Biomasse untersucht wird. Gebäudeintegrierte Photovoltaikanlagen, so die Experten, seien aus Naturschutzsicht sowieso unproblematisch, und das Potenzial für diese Anlagen werde auch beim Ausbau nach dem entwickelten Szenario bei weitem nicht ausgenutzt. Die Freiflächensysteme seien dagegen während einer Überbrückungszeit aus industriepolitischen Erwägungen sinnvoll, um die Kosten der Photovoltaik über ein wachsendes Marktvolumen zu senken.

Auf absehbare Zeit, so die Wissenschaftler, ist das EEG nicht zu ersetzen. Im Schlusskapitel der Studie wird betont, dass der im nächsten Jahr beginnende Handel mit Emissionsrechten zumindest in nächster Zeit nicht genügend Anreize für die Umstellung auf erneuerbare Energien schaffen könnte. Damit nehmen die Autoren der Studie indirekt Bezug auf ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums, welches das EEG zu Gunsten dieses Zertifikatehandels in Frage stellt. Auch einer so genannten Quotenregelung mit ihrem durch den Markt gegebenen Kilowattstundenbonus erteilen die Wissenschaftler eine Absage. Vor allem Privatinvestoren seien auf Planungssicherheit über feste Vergütungssätze angewiesen. 

Die Kurzfassung der Studie »Ökologisch optimierter Ausbau der erneuerbaren Energien« im Internet: www.bmu.de/files/nutzung_ee.pdf

 

 

Jens Nickel
© PHOTON, 2004
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Solar Verlags

zurück