Fraunhofer-Studie: EU verfehlt Ziele für erneuerbare Energien

01.03.2004: Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen wird die Europäische Union ihre Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Zwischenbericht der Studie FORRES 2020, den das Karlsruher Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) im Januar vorstellte. Die Studie wurde von der EU-Kommission beauftragt und soll die Entwicklung des Energiemarktes von unabhängiger Seite analysieren und bewerten. Außerdem sollen die Forscher darlegen, welche Ziele für die erneuerbaren Energien für 2020 formuliert werden können.  

Maßstab für die Analysen sind die Ziele, die die EU-Kommission in ihrem Weißbuch 1997 festlegte. Demnach sollte in der EU der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von 13 Prozent im Jahr 1997 auf 22 Prozent im Jahr 2010 steigen. Nach den jetzt vorgestellten Szenario-Rechnungen des Fraunhofer-Instituts wird die 20-Prozent-Marke aber erst rund zehn Jahre später im Jahre 2020 überschritten. Berücksichtigt wurden hierfür alle Maßnahmen und Programme, die auf nationaler und EU-Ebene eingeleitet wurden oder bereits geplant sind (»business as usual«).

In einem alternativen Politik-Szenario nahmen die Forscher an, dass politische Hemmnisse stärker abgebaut und neue Technologien schneller eingeführt werden können. Unter diesen Annahmen erreicht der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung 32 Prozent im Jahr 2020. Hierfür müssten die jeweils besten nationalen Programme und Maßnahmen, wie zum Beispiel das Erneuerbare-Energien-Gesetz, auf alle Länder der EU übertragen werden. 

Die photovoltaische Stromproduktion trägt allerdings nur sehr wenig zu dem Wachstum bei. Im Business-as-usual-Szenario steigt die Solarstromproduktion von 0,2 Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) im Jahr 2001 auf 0,8 TWh/a in 2020. Im Politik-Szenario produziert die Photovoltaik im Jahr 2020 immerhin vier TWh/a. Zum Vergleich: Die Windenergie steigt beim Business-as-usual-Szenario von 34 TWh/a in 2001 auf 335 TWh/a im Jahr 2020. Beim Politik-Szenario erreicht die Windkraft sogar 438 TWh/a. 

Verantwortlich für das moderate Wachstum der Photovoltaik seien bestimmte Modellannahmen, erläuterte Mario Ragwitz vom Fraunhofer-Institut. Wie beim deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz wird in den Szenarien die Einspeisevergütung jährlich um fünf Prozent gesenkt. Die Herstellungskosten für Solarstromanlagen hingegen sinken langsamer, so die Annahme. Dadurch würden Photovoltaikanlagen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr wirtschaftlich. Das heißt, sie erwirtschaften nicht mehr die geforderte Kapitalverzinsung von 6,5 Prozent. Resultat: Ab diesem Zeitpunkt würden keine Anlagen mehr gebaut. Dass Marktteilnehmer sich auch mit geringerer Kapitalverzinsung für eine Technik entscheiden können, ist nicht berücksichtigt. Ragwitz will diese Funktion aber bis Ende 2004 in das Modell einbauen. Dann sollen die Ergebnis für das Jahr 2010 vorgestellt werden. 

Eine Kurzfassung der Studie findet sich im Internet unter www.eu.fhg.de/forres.



Harald Schäffler
© PHOTON, 2004
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